Chinas Afrika-Strategie: Mehr als nur Rohstoff-Versorgung

Chinas Afrika-Strategie: Mehr als nur Rohstoff-Versorgung

Ein Interview mit Journalist und Autor Wolfgang Hirn zum China-Afrika-Gipfel

Jochen Marmit / Onlinefassung: Martin Breher   04.09.2018 | 16:58 Uhr

Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat zum China-Afrika-Gipfel geladen, und fast alle Länder Afrikas sind dem Ruf gefolgt. Im SR 2-Interview erklärt der Journalist und China-Kenner Wolfgang Hirn, was China auf dem afrikanischen Kontinent für Ziele verfolgt. Außerdem kritisiert er die westliche Entwicklungshilfe auf dem Kontinent.

Chinas politisches Kalkül

"Es steckt mehr dahinter als nur eine Rohstoff-Versorgung", sagt Journalist und Autor Wolfgang Hirn über die chinesische Afrika-Strategie. Der Kontinent sei zu einem Absatzmarkt für chinesische Produkte geworden. Aber darüber hinaus habe China auch ein politisches Kalkül, meint Hirn: "Diese 54 afrikanischen Länder haben natürlich auch eine Stimme in den Vereinten Nationen. Ein Land, eine Stimme. Insofern sind diese 54 Stimmen auch sehr wichtig für China, wenn es denn mal zu interessanten und wichtigen Abstimmungen kommt".

Afrika auch militärisch wichtig

Besonders bei dem Projekt der Neuen Seidenstraße seien die Länder an der Ostküste Afrikas auch strategisch interessant für die Chinesen, glaubt Hirn und ergänzt: "Und interessant ist auch zu sehen, dass deswegen die militärische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Ländern und China in eine völlig neue Dimension kommt". Es gebe bereits einen ersten chineschen Stützpunkt auf afrikanischen Boden in Dschibuti, und er vermute, dass es nicht der letzte sein werde, so Hirn.

Kritik an westlicher Entwicklungshilfe

Im SR 2-Gespräch mit Jochen Marmit kritisiert der China-Kenner auch die bisherigen Entwicklungshilfen für Afrika aus dem Westen: "Wir sollten im Westen überlegen, ob diese ganze Entwicklungshilfe, die wir in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, ob das eine richtige Form der Hilfe für Afrika war". Hirn fordert in dieser Frage ein Umdenken: "Meiner Meinung nach brauchen wir eine Afrika-Strategie, sowohl in Deutschland, am besten in Europa. Aber die sehe ich leider nicht".

Die Chinesen hätten so eine Strategie bereits seit 17 Jahren, das Motiv der Kanzlerin auf ihrer Afrika-Reise sei dagegen lediglich die Fluchtursachenbekämpfung. "Das ist für mich ein Unterfangen, das nicht klappen wird", prognostiziert Hirn.


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