"Wir lassen uns nicht von den Rechtsextremen die Bühne nehmen"

"Wir lassen uns nicht von den Rechtsextremen die Bühne nehmen"

Ein Gespräch mit Roland Löffler, dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen, über die Situation in Chemnitz

Holger Büchner / Fotos: dpa   28.08.2018 | 07:45 Uhr

Roland Löffler, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen, hat sich im SR 2-Interview klar gegen jene Chemnitzer Bürger gestellt, die auf Aufruf der Organisation "Pro Chemnitz" nach dem Tod eines 35-jährigen Deutschen demonstriert hatten. Nun müsse sich die Politik klar positionieren, den Rechtsstaat durchsetzen und die Zivilgesellschaft stärken.

"Den Rechtsstaat durchsetzen"

Er sei "schockiert", dass "Rechtspopulisten und Rechtsextreme in den letzten Tagen die Bühne in Chemnitz sehr bestimmt" hätten, sagte Roland Löffler, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen, im SR 2-Gespräch.

Der "rechten Szene" und der NPD sei es in Chemnitz in den vergangenen Jahren gelungen, die Menschen "bis in die Mitte der Gesellschaft" zu mobilisieren. Nun gelte es, "über Konflikte wieder zur Lösung" zu kommen. Dafür aber müsse sich die Politik klar positionieren, zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse wie etwa das "Bündnis Nazifrei" stärken und "den Rechtsstaat durchsetzen". Mit den "Chaoten" könne man jedenfalls "keine Kaffeekränzchen abhalten und glauben, dass man allein über Dialogprozesse weiter kommt", sagte Löffler.


Ein Augenzeugenbericht:

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Audio [SR 2, Holger Büchner, 28.08.2018, Länge: 02:21 Min.]
"Auf beiden Seiten gab es auf jeden Fall Gewaltbereitschaft"
Seit am Sonntag in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher bei einem Stadtfest ums Leben gekommen ist - tatverdächtig sind ein Syrer und Iraker, die bereits in Untersuchungshaft sitzen - schlagen die Wogen in der sächsischen Stadt hoch. Am Montag gerieten einige hundert Demonstranten aus verschiedenen politischen Lagern aneinander. Mindestens sechs Menschen sollen nach Angaben der Polizei dabei verletzt worden sein, außerdem soll es von beiden Seiten Pyrotechnik, fliegende Flaschen und Dosen gegeben haben. Reporter Christof Stumptner hat die Gemengelage relativ unübersichtlich wahrgenommen: "Die ganze Demo war ein Ereignis, was viele Ideologien für ihre Zwecke genutzt haben", sagte Stumptner im Interview mit SR 2-Moderator Holger Büchner.


Mehr zum Thema:

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Audio [SR 3, (c) Michael Friemel, 28.08.2018, Länge: 04:13 Min.]
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Im Interview mit SR 3-Moderator Michael Friemel macht der Politikwissenschaftler Prof. Werner Patzelt von der TU Dresden die Migrationspolitik dafür mitverantwortlich, dass rechte Tendenzen in Deutschland groß geworden sind.

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Verletzte bei Kundgebungen in Chemnitz
Die Polizei fuhr Wasserwerfer auf, Feuerwerkskörper flogen: Bei rechts- und linksgerichteten Demonstrationen in Chemnitz wurden mehrere Menschen verletzt. Die Polizei war offenbar mit zu wenigen Einsatzkräften vor Ort.

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Gerüchte im Netz, Gewalt auf der Straße
Von der Polizei werden die Darstellungen zwar nicht bestätigt, dennoch werden im Netz Berichte gestreut, wonach zwei Männer in Chemnitz getötet worden seien, weil sie eine Frau geschützt hätten. Gezielt wird Wut entfacht.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.08.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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