"Wir sehen Potenzial, von Tierversuchen wegzukommen"

"Wir sehen Potenzial, von Tierversuchen wegzukommen"

Ein Gespräch mit Prof. Claus Michael Lehr, Experte für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie am Helmholtz-Zentrum für Pharmazeutische Forschung im Saarland (HIPS)

Holger Büchner   27.08.2018 | 08:25 Uhr

Bei der Internationalen Konferenz "BioBarriers" auf dem Campus der Saar-Uni geht es bis zum 29. August u. a. um neue Medikamenten-Testverfahren. Gibt es wirklich eine Alternative zu Tierversuchen? Prof. Claus Michael Lehr vom Saarbrücker Helmholtz Institut für pharmakologische Forschung setzt auf die Idee, zum Testen lieber menschliches Gewebe zu nutzen.

Am 27. August hat in Saarbrücken eine Konferenz begonnen, bei der Wissenschaftler aus dem Bereich Pharmazie sich auch damit befassen, wie man Tierversuche durch alternative Methoden ersetzen kann. Bei der Internationalen Konferenz "BioBarriers" auf dem Campus der Universität des Saarlandes geht es bis zum Mittwoch, 29. August, unter anderem um neue Medikamenten-Testverfahren. Veranstalter der Konferenz ist das Helmholtz-Institut für pharmazeutische Forschung.

Klaus Michael Lehr ist Professor am Helmholz- Institut. Er erklärt, dass gerade bei der Entwicklung von Medikamenten, Tierversuche nach wie vor vorgeschrieben sind, aber es gebe inzwischen auch vielversprechende neue Methoden, die ohne Tierversuche auskämen.

Menschliches Gewebe statt Tierversuche

Prof. Lehr setzt auf die Idee, zum Testen lieber menschliches Gewebe zu nutzen: "Das ist dann zwar 'nur' im Reagenzglas, aber es betrifft den Menschen direkt und hat deswegen vermutlich eine bessere Vorhersagekraft, was für den Menschen in Wirklichkeit relevant ist", sagte Lehr im SR 2-Interview.

Dabei ist der Tierschutzgedanke noch nicht einmal der Hauptantrieb für die Wissenschaftler. Die Hauptmotivation sei nicht der Tierschutz, obwohl man diesen Vorteil natürlich sehe. Die primäre Motivation sei jedoch vielmehr "zu Testsystemen zu kommen, die besser sind als Experimente an Tieren." Für ihn sei das menschliche Gewebe "der Goldstandard".

Man werde zwar - auch aufgrund der regulatorischen Vorgaben "noch eine ganze Weile" Tierversuche noch eine ganze Weile durchführen müssen, sagt Lehr. Es sei aber ein Unterschied, ob man Tierversuche als erstes durchführe um sich erst einmal zu orientieren, oder ob man bestimmte Fragestellunge vorab tierversuchsfrei klären kann.

"Bio Barriers" - die Konferenz

Rund 200 Wissenschaftler aus 25 Ländern beraten ab dem 27. August an der Saar-Universität über die Wirksamkeit von Medikamenten. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Wirkstoffe im Körper besser transportiert werden können. Auch alternative Methoden zu Tierversuchen werden beraten. Schon jetzt bauen Forscher Lungengewebe oder Darmwände aus menschlichen Zellen nach, um schneller vorhersagen zu können, was im Körper des Patienten passiert.

Die internationale Tagung "Biological Barriers" bringt alle zwei Jahre Fachleute aus der ganzen Welt auf den Saarbrücker Campus. Ins Leben gerufen wurde sie von Professor Lehr vom Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung.


Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)
Universitätscampus E8 1
66123 Saarbrücken
Fon: +49 681 / 98806-0
E-Mail: info.hips@helmholtz-hzi.de

Internet: https://www.helmholtz-hzi.de

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 27.08.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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