23. August, der vergessene Gedenktag

23. August, der vergessene Gedenktag

Ein Gespräch mit Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen bei Berlin, über den Umgang mit dem "Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus"

Johannes Kloth / Onlinefassung: Rick Reitler   22.08.2018 | 08:45 Uhr

Kennen Sie den "Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus"? Nein? Kein Wunder, denn die deutsche Bundesregierung macht traditionell nicht viel Aufhebens darum. Nach Meinung des Historikers Hubertus Knabe haben die Politiker "große Angst" davor, sich Relativierungsvorwürfen stellen zu müssen. Ein SR 2-Interview.

Der "Europäische Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus" wurde 2009 vom Europäischen Parlament auf den 23. August festgelegt, dem Tag der Unterzeichnung des "Ribbentrop-Molotow-Pakts" anno 1939. Dieser Vertrag hatte es sowohl Hitler als auch Stalin erlaubt, ihre Armeen in Polen einmarschieren zu lassen - was wenige Wochen später auch beiderseits geschah.

Angst vor Relativierungsvorwürfen

Ist die Erinnerung an die deutsch-russische Verabredung zu derartigen Gräueltaten den Deutschen heute so unangenehm, dass kaum jemand den Gedenktag kennt? Dr. Hubertus Knabe, der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, sieht das ganz anders: Seiner Ansicht nach macht die Bundesregierung vor allem deshalb so wenig Aufhebens um den Gedenktag, weil sie "große Angst" hat, in den Verdacht zu geraten, den Nationalsozialismus relativieren zu wollen.

"Beide Regime in den Blick"

Im Gespräch mit SR 2-Moderator Johannes Kloth plädierte Knabe für eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur. Diese aber könne nur funktionieren, "wenn man beide Regime in den Blick nimmt und nicht so tut, als hätte es nur die eine Seite gegeben".

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.08.2018 auf SR 2 KulturRadio..

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