20 Lösungsideen für 20 deutsche Probleme

20 Lösungsideen für 20 deutsche Probleme

Ein Gespräch mit dem Journalisten, Moderator und Sachbuchautor Claus Strunz

Audio: Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   22.11.2018 | 07:45 Uhr

Deutschland braucht u. a. eine Wahlpflicht, einen Punktekatalog zur Einwanderung, ein "Wir-Jahr" und vor allem ein Ende des "Umsetzungsdefizits", schlägt der Journalist Claus Strunz in seinem aktuellen Buch "Geht’s noch, Deutschland?" vor. SR-Moderator Holger Büchner wollte mehr über Strunz' Ideen wissen.

Der Journalist, Moderator und Sachbuchautor Claus Strunz gehört zu den streitbarsten Medienmachern des Landes. Wegen seiner Vorliebe für offene Worte nennen ihn viele Kritiker einen Provokateur oder gar Populisten. Jetzt hat er mit "Geht’s noch, Deutschland?" ein Buch über den Zustand Deutschlands nach 13 Jahren unter Führung von Angela Merkel vorgelegt. Darin beschreibt er "die schlimmsten Fehler, die unser Land lähmen - und 20 Ideen, wie es wieder besser wird".

"J'accuse - ich klage an"

Im Gespräch mit SR-Moderator Holger Büchner skizzierte Strunz seinen Standpunkt als Autor: "Es ist erstmal ein Aufschrei, ein 'J'accuse', ein 'Ich klage an'", sagte Strunz in Anspielung auf den historischen Fall des Schriftstellers und Mahners Émile Zolà, "nämlich die Selbstgefälligkeit, mit der viele in Deutschland über unsere Probleme sprechen und vor allem die - wie soll ich sagen - Verharmlosung eines Umsetzungsdefizits ."

Wahlpflicht und Grenzschutz

Zu Strunz' Ideen gehört beispielsweise der Vorschlag, 50 Euro "Mahngebühr" für Bürger einzufordern, die nicht wählen gingen. Oder die Möglichkeit, bei demokratischen Wahlen seine Stimme auch online abgeben zu können. Oder ein Einwanderungsrecht auf Grundlage eines Punktesystems wie in Kanada.

"Ich glaube, dass ein Land, das in einem Staatenbund ist wie der EU, der es nicht schafft, seine Grenzen im Blick und ernsthaft im Blick zu haben, gut daran tut, seine eigenen Grenzen zu schützen". Er habe erkannt, dass sämtliche erfolgreichen Einwanderungsländer auf zwei Dinge achteten: erstens eine "sehr rigorose" Auswahl jener Menschen, die eben "'rein oder nicht 'rein" dürften; zweitens die Sicherung ihrer eigenen Staatsgrenzen.

Hightech und Klartext

"Meine Vorstellung einer dichten Grenze ist, dass die aus, ja, Hightech besteht", erläuterte Strunz, "nämlich aus vielleicht - ich schlage vor - alle 50 Kilometer ein Hightech-Posten mit Drohnen, mit Wärmebildkameras und mit Handy-Ortung". Auf diese Weise könnte "jeder, der sich nähert", erkannt und angesprochen werden; ihm könne "die Einreise erlaubt oder verweigert werden". Als Entscheidungsgrundlage schlug Strunz folgendes Prinzip vor: "Wer keinen Asylgrund hat und auch nicht die Bedingungen erfüllt, die wir aufstellen für eine Einwanderung, der braucht sich gar nicht erst auf den Weg nach Deutschland zu machen." Diese klare Haltung vermisse er sehr.

Merkels falsches Signal für die Welt

"Frau Merkel hat ja Selfies gemacht mit Einwanderern, mit Migranten", stellte Strunz fest. "Sie hat aber kein einziges Selfie gemacht mit 'nem Bundesgrenzschützer. Und damit sendet sie ein ganz falsches Signal in die Welt. Nämlich: Jeder, der sich aufmacht, ist uns hier herzlich willkommen. Das würd' ich nicht unterschreiben."

Für ein europäisches "Wir-Jahr"

Gut fände Strunz dagegen die Einführung eines verpflichtenden "Wir-Jahres", nach seiner Vorstellung ein soziales Pflichtjahr, dass entweder in Deutschland oder einem anderen europäischen Land verbracht werden könnte. Damit könnte ein Netzwerk aus allen "jungen Menschen in Europa" heranwachsen, das nicht mehr nur fast ausschließlich aus Abiturienten und Studenten bestehen würde. "Ein europäisches Netzwerk der nächsten und übernächsten Generation" schwebe ihm vor, sagte Strunz: "Das macht dann ein Europa, in dem es sich lohnt zu leben. Und nicht immer nur die Rückbesinnung 'Wir brauchen Europa, weil's keinen Krieg mehr gibt'. Das ist etwas für Opa und Oma."


Claus Strunz - Geht's noch, Deutschland? (Foto: Plassen Verlag)
Claus Strunz - Geht's noch, Deutschland?


Der SR 2-SachbuchTipp:

Claus Strunz:
Geht's noch, Deutschland?
Die schlimmsten Fehler, die unser Land lähmen - und 20 Ideen, wie es wieder besser wird

Plassen Verlag, 288 Seiten, 19,99 Euro
Erscheinungsdatum: 22. November 2018
ISBN-10: 3864705967
ISBN-13: 978-3864705960


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 22.11.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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