Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Vor dem Diakonie-Gespräch im Saarbrücker Schlosskeller

Marc Weyrich   14.08.2018 | 07:25 Uhr

Kinder aus ärmeren und bildungsferneren Familien haben als Erwachsene geringere Chancen in der Arbeitswelt. Diese Binsenweisheit gilt seit Jahrzehnten - gerade in Deutschland. Trotz aller Anstrengungen gelingt es aber weder der Politik, noch den Bildungseinrichtungen, noch den Eltern, die vielen Probleme wirklich zu entschärfen. Im Gegenteil. Wird das Diakonie-Gespräch am Abend des 14. August unter dem Motto "Herkunft verbaut Lebenschancen" mehr erreichen, als nur wieder einmal den Finger in die Wunde zu legen und den Status quo zu bedauern? Für SR 2 KulturRadio hat Reporter Marc Weyrich vorab bei zwei Experten der Diskussionsrunde nachgefragt, was zu tun wäre.

Das Kinderhaus Malstatt: Stärken entdecken, Schwächen ausgleichen
Audio [SR 2, Marc Weyrich, 14.08.2018, Länge: 02:55 Min.]
Das Kinderhaus Malstatt: Stärken entdecken, Schwächen ausgleichen
Das Kinderhaus Malstatt vom Diakonischen Werk an der Saar unterstützt Kinder und Jugendliche beim Lernen und beim Fördern der individuellen Stärken. Es liegt im Einzugsbereich von gleich drei Brennpunktschulen.


Marina Bäumchen von der Anlaufstelle für Schulverweigerung findet vor allem eine bessere Unterstützung finanz- und bildungsschwacher Eltern wünschenswert. Wichtig sei zudem, dass die Lehrerinnen und Lehrer versuchten, Kinder aus betroffenen Elternhäusern "gleich zu behandeln und nicht zu stigmatisieren". Damit die Kinder aus problematischen Verhältnissen möglichst lange im Umfeld der Schule blieben, bedürfe es mehr entsprechender Freizeitangebote - "sei es Sportvereine oder auch unsere Einrichtungen".

Vielfältige Probleme

Als kontraproduktiv sieht Carsten Freels vom Kinderhaus Malstatt eine qualitativ nicht immer ausreichende Nachmittagsbetreuung, vor allem aber die zu hohe Zahl der SchülerInnen in einer Klasse, die wiederum bestimmte politisch gewollte Aufgaben erschwere: "Inklusion ist ein sehr schwieriger Begriff da drin", stellte Freels fest. Er kritisierte auch, dass Kinder an saarländischen Schulen "nicht individuell gefördert werden" könnten, was auch mit Sprachproblemen zusammenhinge: "Da bedarf es einer flexibleren Klassengestaltung und einer flexibleren Bildungsgestaltung in Unterrichtseinheiten".

Mittelfristig werde es seiner Meinung nach "auf jeden Fall Angebote außerhalb der Schule geben müssen, die dann von freien Trägern gestaltet werden", so Freels. Langfristig könne und müsse eine Schule selbst entsprechende Aufgaben übernehmen, "wenn wir nicht irgendwie ein totales Chaos im Bildungssystem haben wollen."


Große Herausforderungen in Sachen Chancengleichheit
Audio [SR 2, Uwe Jäger, 14.08.2018, Länge: 03:04 Min.]
Große Herausforderungen in Sachen Chancengleichheit
Mehr und mehr Kinder haben Förderbedarf - besonders oft aus armen oder bildungsfernen Familien. Dazu stellen Integration und Inklusion die Schulen und ihre MitarbeiterInnen vor größere Herausforderungen als je zuvor. Genügen Personal, Geld und pädagogisches Geschick? Wie können Institutionen und soziale Träger Kinder, Eltern und Lehrer unterstützen? Wie kann mehr Bildungsgerechtigkeit hergestellt werden? Um diese Fragen dreht sich das Diakonie-Gespräch am Abend des 14. August im Saarbrücker Schloss.


Der SR 2-VeranstaltungsTipp

Dienstag, 14. August 2018, 19.00 Uhr
Schlosskeller, Saarbrücker Schloss

Das Diakonie-Gespräch

Thema: Herkunft verbaut Lebenschancen. Ist Bildungsgerechtigkeit eine Utopie oder ein erreichbares Ziel?

Impulsreferat: Bildungsminister Ulrich Commerçon

Auf dem Podium:

  • Anne Fennel, Geschäftsführung Diakonie Saar
  • Marina Bäumchen, Anlaufstelle für Schulverweigerung und der Jugendberufsagentur
  • Carsten Freels, Kinderhaus Malstatt
  • Ulrich Commerçon, Bildungsminister

Moderation: Marc Weyrich (SR). Eintritt frei!

SR 2 KulturRadio schneidet die Diskussionsrunde mit und sendet sie am Freitag, 17. August, ab 19.15 Uhr im "Diskurs".


Mehr zum Thema:

Fragen an die Autorin: Ingrid Freimuth
Lehrer über dem Limit - Warum die Integration scheitert
Pädagogen in Deutschland haben sich in den letzten Jahren auf zahlreiche neue Anforderungen eingestellt. Inklusion und Integration in zunehmend heterogenen Klassengemeinschaften gehören dazu. Ist nun die Grenze des Zumutbaren überschritten? Ja, und zwar schon sehr lange, sagt die Frankfurter Pädagogin Ingrid Freimuth. Sie war am 12. August zu Gast bei "Fragen an die Autorin". Jetzt auch im Podcast!

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 13.08.2018.

Artikel mit anderen teilen