"Wir haben im Verkehrsbereich ein riesengroßes Problem"

"Wir haben im Verkehrsbereich ein riesengroßes Problem"

Ein Interview mit Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe

Roland Kunz / Onlinefassung: Fleur Geppert-Gasper   14.08.2018 | 16:20 Uhr

Bereits zum zwölften Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den CO2-Ausstoß der Dienstfahrzeuge von Politikern untersucht. Das Ergebnis sein "ein Statement gegen den Klimaschutz", wie Barbara Metz, die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, im SR 2-Interview beklagte. Sie forderte, dass Politiker ihre Versprechungen in Sachen Klimaschutz endlich umsetzen sollten.

Erstmals habe die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die realen CO2-Emissionen zur Bewertung herangezogen, die deutlich von den Angaben der Automobilhersteller abwichen, erklärte die Stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz. Die Emissionen seien in der Realität viel zu hoch, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.

EU-Grenzwerte werden nicht eingehalten

Die Fahrzeuge aller Politiker schnitten schlecht ab, berichtete Metz: Keines der Autos halte den von der EU vorgegebenen Grenzwert tatsächlich ein. Das zeige, dass das Thema Klimaschutz durch niedrigere CO2-Emissionen keine Priorität in der deutschen Politik besäße. Politiker könnten ihre Dienstfahrzeuge selbst auswählen. Sie seien also theoretisch durchaus in der Lage, etwas zu verändern.

Automobilhersteller zu mächtig

Metz kritisierte, Politiker würden nicht die Interessen der Verbraucher, sondern die der Automobilhersteller in den Fokus stellen. Es sei ein strukturelles Problem, da Automobilhersteller sich selbst bei der Angabe der Schadstoffwerte kontrollierten. Die DUH fordere stattdessen neutrale behördliche Nachprüfungen. Bei Verstößen müssten Sanktionen erfolgen.

Eine Auswahl der schlimmsten-Dienstwagen-Umweltsünder laut DUH:

  • Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD, 408 Gramm CO2 je Kilometer)
  • NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU, 376 g/km)
  • Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, 376 g/km)
  • Justiz- und Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD, 235 g/km)
  • Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU, 229 g/km)
  • Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, 224 g/km)
  • Agrarministerin Julia Klöckner (CDU, 224 g/km)

Die Dienstwagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie diejenigen der Leitung des Verteidigungs-, Innen-, Finanz- und Außenministeriums sind aus Sicherheitsgründen nicht in der DUH-Liste enthalten.


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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 14.08.2018.

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