Ein Plädoyer für die Streuobstwiese

Ein Plädoyer für die Streuobstwiese

Ein Gespräch mit dem saarländischen Umweltminister Reinhold Jost (SPD)

Roland Kunz / Onlinefassung: Rick Reitler   13.08.2018 | 15:25 Uhr

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost hat sich im SR 2-Interview für ein stärkeres Engagement zur Pflege und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen im Saarland stark gemacht. Die Zeit und Mühe könne sich durchaus lohnen - nicht nur für die gesunde Selbstversorgung, sondern auch geschäftlich. Die Landesregierung habe Förderprogramme aufgelegt.

460.000 Bäume auf saarländischen Streuobstwiesen - das klingt viel, ist aber eigentlich viel zu wenig, wenn man ihre wichtige Rolle für den Naturschutz bedenkt. Denn Streuobstwiesen bieten Lebensraum für Insekten, Vögel und manch seltene Pflanze.

"Streuobstbestände relativ ungepflegt"

Gesund und lecker: Ein Apfel von der Streuobstwiese (Foto: pixabay/pixel2013)
Gesund und lecker: Ein Apfel von der Streuobstwiese (Foto: pixabay/pixel2013)

Vielen Eigentümern bedeuteten Naturschutz und die Möglichkeit einer gesunden Selbstversorgung aber nicht genug, um ausreichend Zeit und Mühe für die Pflege aufzubringen, beklagte der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) im Gespräch mit SR 2-Moderator Roland Kunz: "Es kümmert sich in der Regel, wenn überhaupt, nur eine zu geringe Anzahl von Leuten darum."

Sorgen mache ihm, dass der "überwiegender Anteil der Streuobstbestände relativ ungepflegt" sei. Dies hänge auch mit den vielen vererbten Grundstücken zusammen, die sich nach Meinung ihrer neuen Eigentümer häufig nicht mehr an jedem Ort rentabel genug bewirtschaften ließen.

Selbstversorger und Schnapsbrenner

Jost wies darauf hin, dass der Streuobstanteil in ländlichen Regionen wie dem Bliesgau oder dem Nordsaarland durchaus noch "weit verbreitet" sei. Das Beispiel mancher Einzelpersonen zeige außerdem, dass sich die Arbeit auf der Streuobstwiese nicht nur für den Eigenbrauch lohne könne: In Zusammenarbeit mit anderen Wiesenbesitzern oder auch Schnapsbrennereien ließen sich durchaus "einträgliche Geschäfte" realisieren, sagte Jost. Lob hatte Jost auch für das Engagement der vielen saarländischen Obst- und Gartenbauvereine und einer "Süßmosterei im Raum Merzig" übrig.

Streuobst-Koordinierungsstelle

Zudem verwies Jost auf die "Förderprogramme" der Landesregierung: "Da sind wir in den letzten Jahren auch, wie ich finde, relativ gut unterwegs", sagte Jost, "wir haben für die laufende Förderperiode fast eine Million Euro zur Verfügung gestellt, um den Bestand nicht nur zu halten, sondern nach Möglichkeit auch wieder ein Stück weit zu reaktivieren." Erst vor wenigen Tagen habe er selbst dem Betreiber einer Schaubrennerei "eine Zuwendung zukommen lassen". Außerdem gebe es eine Streuobst-Koordinierungsstelle, die das Land zusammen mit dem Landesverband der Obst- und Gartenbauvereine zur Unterstützung der Streuobstwiesenbesitzer eingerichtet habe.

Mehr zum Thema auf den Seiten der Landesregierung:

In den Streuobstwiesen in Kleinblittersdorf am Nachmittag (Foto: Stefanie Strempel)
Streuobstwiesen in Kleinblittersdorf (Foto: Stefanie Strempel)

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 13.08.2018.

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