"Kein grundlegender Schwenk für Kolumbien"

"Kein grundlegender Schwenk für Kolumbien"

Ein Interview mit Sabine Kurtenbach, kommissarische Leiterin des GIGA-Instituts in Hamburg, über den Präsidentschaftswechsel in Kolumbien

Katrin Aue / Onlinefassung: Rick Reitler   07.08.2018 | 12:45 Uhr

Für Sabine Kurtenbach, die kommissarische Leiterin des GIGA-Instituts in Hamburg, besteht in Kolumbien auch nach der Amstübergabe von Präsident Juan Manuel Santos an seinen rechtskonservativen Nachfolger Ivan Duque kaum die Gefahr eines Friedensrückschritts. Trotzdem sei das chronische Gewaltproblem in dem südamerikanischen Land noch lange nicht gelöst. Ein SR 2-Interview.

Kolumbien vor dem Wechsel: Der amtierende Präsident Juan Manuel Santos übergibt am 7. August das Amt an seinen rechtskonservativen Nachfolger Ivan Duque. Während Santos noch einen mit dem Friedensnobelpreis quittierten Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen ausgehandelt hatte, kritisiert Duque eben diesen Vertrag als zu milde.

GIGA-Institut
Das German Institute of Global and Area Studies, kurz: GIGA-Institut, erforscht aus sozialwissenschaftlicher Perspektive politische, ökonomische und soziale Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost.

Friedensvertrag "bindend"

Für Sabine Kurtenbach, die kommissarische Leiterin des GIGA-Instituts in Hamburg, besteht aktuell aber kaum eine Gefahr für einen Friedensrückschritt, denn der Santos-Vertrag gilt auch auf Intervention des Obersten Gerichtshofs bindend - zumindest für drei Legislaturperioden. Auch die Mehrheit des Parlaments habe kein Interesse an einer Änderung, bestätigte Kurtenbach im Gespräch mit SR 2-Moderatorin Katrin Aue.

"Integration ist nach 50 Jahren bewaffneten Kampf ein ganz langer Prozess"

Bis die FARC-Kämpfer und -Sympathisanten aber in der kolumbianischen Gesellschaft wieder voll integriert seien, wird es nach Ansicht von Kurtenbach "noch eine ganze Weile dauern". Und auch sonst sei das Gewaltproblem in Kolumbien noch lange nicht ausgestanden. Dieses geht nach Aussage von Kurtenbach auch auf den Jahrzehnte alten, historischen "Konflikt zwischen Stadt und Land und zwischen fehlenden Perspektiven auf dem Land und eben andren Prozessen in den Städten" zurück.

Ein Thema in der SR 2-Sendung "Bilanz am Mittag" vom 07.08.2018.

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