"Instandhaltung ist politisch immer nicht so ganz leicht zu verkaufen"

"Instandhaltung ist politisch immer nicht so ganz leicht zu verkaufen"

Ein Interview mit Thomas Puls, Infrastrukturexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IDW)

Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   06.08.2018 | 07:25 Uhr

Trotz angeblich reichlich fließender Steuereinnahmen im angeblich ohnehin wohlhabenden Deutschland schieben allein die Kommunen einen Instandhaltungsstau für Wasserrohre, Straßen oder Brücken in Höhe von 160 Milliarden vor sich her. IDW-Infrastrukturexperte Thomas Puls forderte im SR 2-Interview "eine Vereinfachung der Planungsverfahren".

Vor wenigen Tagen mussten nach einem Wasserrohrbruch rund 11.500 Haushalte in Saarbrücken, Mandelbachtal und Blieskastel ohne Trinkwasser auskommen - mitten in einer der größten Hitzwellen der vergangenen Jahrzehnte. Da stellt sich die Frage, wann die betroffene Wasserleitung zuletzt gewartet bzw. erneuert worden war. Dasselbe gilt auch für Straßen, Brücken, Elektroleitungen, eigentlich für die gesamte Infrastruktur im angeblich so reichen Deutschland.

160 Milliarden Investitionsstau

Allein der "Investitionsrückstand in ihre Wassersysteme" habe sich bei den Kommunen im Jahr 2017 nach Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf 9,5 Milliarden Euro aufgetürmt, bestätigt Thomas Puls, Infrastrukturexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft, im SR 2-Gespräch mit Kai Schmieding. Insgesamt verzeichneten die Kommunen sogar einen "Investitionsrückstand" von fast 160 Milliarden Euro.

Auftragsbücher voll, Planungsstuben überlastet

"Wenn gespart wird, dann spart man halt auch gerne an diesen Ausgaben für Instandhaltung, weil: Es fällt nicht sofort auf", erklärte Puls. Von daher sei "Instandhaltung politisch immer nicht so ganz leicht zu verkaufen". Manchmal liege es aber nicht nur an der Sparpolitik, sondern auch an vollen Auftragsbüchern der Bauindustrie, die die Preise für Handwerksdienstleistungen in die Höhe trieben, und an fehlendem Personal bzw. Knowhow in den Kommunen selbst: "Ich brauch' ja erstmal auch jemanden in meiner Kommune, der die entsprechenden Planungen macht und alles genehmigt kriegt. Und da hapert es heute doch sehr stark", stellte Puls fest.

Keine Zeit mehr

Puls forderte "eine Vereinfachung der Planungsverfahren", die inzwischen "extrem aufwändig" geworden seien. Im Straßenbereich fräßen allein die Planungskosten 18 bis 20 Prozent der Gesamtinvestitionssumme auf. "Wir müssen uns einfach klar werden, dass wir in vielen Punkten jetzt auch ein Zeitproblem bekommen."

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 06.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Hintergrund:

Panorama
Wasserknappheit auch in Saarbrücker Stadtteilen
Ein Wasserrohrbruch im Mandelbachtal hat am Donnerstag zu Trinkwasserknappheit in mehreren saarländischen Gemeinden geführt. Wie die Stadtwerke Saarbrücken mitteilten, verlaufen die Reparaturarbeiten nach Plan. Es sei davon auszugehen, dass die Wasserversorgung in allen betroffenen Stadtteilen am Freitag sukzessive im Laufe des Vormittags wiederhergestellt werden kann.

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