"Es gibt Schüler, die respektieren verbale Hilfen nicht"

"Es gibt Schüler, die respektieren verbale Hilfen nicht"

Ein Gespräch mit der Lehrerin und Sachbuchautorin Ingrid Freimuth ("Lehrer über dem Limit")

Audio: Kai Schmieding / Foto: privat / Onlinefassung: Rick Reitler   06.08.2018 | 08:25 Uhr

Für die Pädagogin und Buchautorin Ingrid Freimuth gehen die aktuellen Ideen der deutschen Bildungspolitik in die völlig falsche Richtung. Es sei höchste Zeit, die Dinge offen beim Namen zu nennen - speziell, was die Probleme mit Schülern aus Zuwandererfamilien angehe. Ein SR 2-Interview.

Für die Pädagogin und Buchautorin Igrid Freimuth ("Lehrer über dem Limit") gehen die aktuellen Moden der deutschen Bildungspolitik in die völlig falsche Richtung: Statt muttersprachlichen Unterricht für Kinder aus Zuwandererfamilien einzuführen, sollte die Zeit besser für mehr Deutschunterricht genutzt werden.

"Rangordnungsorientierte" Schüler

Sonntag, 12. August, 9.04 bis 10.00 Uhr: Fragen an den Autor
Ingrid Freimuth: Lehrer über dem Limit
Pädagogen in Deutschland haben sich in den letzten Jahren auf zahlreiche neue Anforderungen eingestellt. Inklusion und Integration in zunehmend heterogenen Klassengemeinschaften gehören dazu. Ist nun die Grenze des Zumutbaren überschritten? Das war das Thema in "Fragen an die Autorin" am 12. August.


Im SR 2-Interview forderte Freimuth u. a. das Ende der falsch verstandenen Rücksichtnahme auf Schülergruppen aus nicht bildungsorientierten, dafür aber stark "rangordungsorientierten" Kulturkreisen, bei denen noch das Recht des Stärkeren gelte.

"Es gibt Schüler, die deratig ausufernd sich verhalten, dass es sinnvoll wäre, da mit Sanktionen zu reagieren, die für diese Schüler auch als Sanktionen erkennbar wären. Und an dieser Stelle - zum Beispiel - lässt der Staat die Lehrerinnen und Lehrer alleine." Es gebe Schüler, die mit einer auf Papier ausgedrückten Sanktion nichts anfangen könnten. "Wenn ich aus einem Elternhaus komme, das nicht bildunsgorientiert ist, dann ist es auch keine Drohung, dass ich vielleicht den Schulabschluss nicht erreiche", sagte Freimuth. Sie selbst habe durchaus "Schüler kennen gelernt, die sind polizeibekannt gewesen auch, die respektieren verbale Hilfen nicht."

Saalordner im Klassenzimmer?

Freimuth plädierte deshalb für spezielles Schulpersonal, dass - ähnlich wie in einem Gerichtssaal - in der Rolle von Saalordnern bzw. Sicherheitskräften agieren solle. "Wo das Verhalten ausufert, muss eine Grenze gezeigt werden", so ihre Überzeugung.

Probleme nicht länger "klein halten"

Für Freimuth ist es höchste Zeit, dass die Probleme endlich beim Namen genannt und offen diskutiert würden. Sie selbst aber habe die Erfahrung gemacht, dass in der Politik, in den Medien und in der öffentlichen Diskussion Probleme, insbesondere mit Zuwanderern, "möglichst klein gehalten werden und nicht offen diskutiert werden".

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 06.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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