"Ein generelles Verbot bringt uns nicht weiter"

"Ein generelles Verbot bringt uns nicht weiter"

Ein Gespräch mit Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV)

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   01.08.2018 | 07:15 Uhr

Lisa Brausch, die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV), will kein gesetzliches Handyverbot in saarländischen Schulen, sondern die individuellen Regeln beibehalten. Im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger kritisierte sie, dass noch immer zu wenig Geld für Medienkompetenz-Unterricht bereit gestellt werde.

Die französische Nationalversammlung hat am 31. Juli ein Gesetz beschlossen, das Smartphones ab dem kommenden Schuljahr aus den Klassenräumen von Grundschulen und weiterführenden Schulen verbannen soll. Nur für das Lycée – das entspricht in etwa unserer gymnasialen Oberstufe – soll das Verbot zunächst nicht greifen. Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) lehnt so ein Handyverbot ab.

Schulordnung genügt

Lisa Brausch im Studio (Foto: SR)
Lisa Brausch im Studio


Auch Lisa Brausch, die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV), will im Saarland den Status quo behalten - und der setzt auf individuelle Regeln in jeder Schule.

"Ich glaube, dass uns ein generelles Verbot nicht weiter bringt", sagte Brausch im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger. "Natürlich bringt das Smartphone in die Schulen auch Gefahren mit", räumte Brausch ein, "aber wir haben im Saarland die Möglichkeit, über unsere Schulordnungen, über unsere Hausordnungen ganz klare Regelungen und Grenzen aufzuzeigen." Generell müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, "dass Kinder und Jugendliche von der Technologie ferngehalten werden können."

"Nichts passiert beim Digitalpakt Schule"

So lange die Politik nicht mehr Geld für die Ausstattung eines guten Medienkompetenz-Unterrichtes locker mache, halte sie die Auseinandersetzung ums Handy in der Schule ohnehin für eine "Scheindebatte", sagte Brausch. "Ich glaube, vor zwei Jahren wurde versprochen, fünf Milliarden Euro für den 'Digitalpakt Schule' in die Hand zu nehmen - und es ist nichts passiert. Da liegt für mich der Hase im Pfeffer."


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Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon lehnt ein Handyverbot in Schulen nach französischem Vorbild ab. Dort gilt nach den Sommerferien ein umfassendes Handyverbot an Grundschulen und weiterführenden Schulen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 01.08.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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