Wahlfälschungen und Gewalt in Mali befürchtet

"Ein bunter und lauter Wahlkampf ohne große Wahlprogramme"

Ein Gespräch mit Philipp Goldberg, dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali

Katrin Aue / Philipp Goldberg / Onlinefassung: Fleur Geppert-Gasper   27.07.2018 | 12:40 Uhr

In Mali finden am Sonntag, 29. Juli, Präsidentschaftswahlen statt. Philipp Goldberg, der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung vor Ort, befürchtet, dass es hinterher zu Unruhen kommen könnte. Über die sozialen Medien bestehe ein enormes Mobilisierungspotenzial. Ebenso wie zahlreiche Wahlbeobachter seien die Menschen in dem bettelarmen und von vielfältigen Konfliktgruppen gebeutelten Land schon jetzt beunruhigt, weil Wahlfälschungen zu befürchten seien, sagte Goldberg im Gespräch mit SR 2-Moderatorin Katrin Aue.

Der Wahlkampf in Mali sei "bunt und laut", berichtete Philipp Goldberg, der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali, im Gespräch mit SR 2-Politikredakterin Katrin Aue. 24 Kandidaten hätten sich als Kandidaten um das Amt des Präsidenten aufstellen lassen - darunter eine Frau. Die besten Chancen rechnet Goldberg dem amtierenden Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta ein, der von seinem Amtsbonus vor allem in urbanen Zentren profitiere. Das würden auch lokale Umfragen belegen.

Der wichtigste Herausforderer

Der aussichtsreichste Gegenkandidat sei der gegenwärtige Oppositionsführer Soumaila Cissé, der ein marktliberales, unternehmerfreundliches Wahlprogramm vertrete. Insgesamt fänden aber kaum programmatische Auseinandersetzungen statt, bemängelte Goldmann. Das Hauptthema aller Kandidaten sei der Wunsch nach Frieden im Land.

Unübersichtliche Lage im Norden

Besonders im Norden Malis sei die Lage sehr instabil, der Staat sei schwach und zeige dort kaum Präsenz, erklärte Goldberg. Die wenig ausgeprägte Infrastruktur schränke offizielle Kontrolle stark ein. So könnten sich islamistische Gruppen leicht ausbreiten. Auch die UN-Mission habe es in den nördlichen Gebieten schwer. Trotzdem würden die Menschen in Mali die Friedensmission insgesamt positiv bewerten, so Goldberg.


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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 27.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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