Wenig Zuversicht für Juncker-Mission

Wenig Hoffnung auf Junckers USA-Reise

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Lüder Gerken vom Zentrum für Europäische Politik in Freiburg über den USA-Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Stephan Deppen / Onlinefassung: Rick Reitler   25.07.2018 | 12:45 Uhr

Der Ökonom Prof. Lüder Gerken setzt keine großen Hoffnungen in den Besuch von Jean-Claude Juncker in Washington - schon wegen der Uneinigkeit innerhalb der EU. Seiner Meinung nach hätte die EU besser zu Zeiten Obamas TTIP unter Dach und Fach gebracht, bedauerte Gerken im SR 2-Interview.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten von Amerika deeskalieren. Dazu ist er am 25. Juli zu Gesprächen in Washington.

"Ich weiß nicht, was das bringen soll"

Prof. Lüder Gerken vom Zentrum für Europäische Politik in Freiburg setzt allerdings keine allzu großen Hoffnungen in das Treffen: Zum einen besitze Juncker gar kein offizielles Mandat, zum anderen gebe es innerhalb der EU noch immer völlig unterschiedliche Interessen - u. a. zwischen Frankreich und Deutschland. "Ich weiß nicht so richtig, was das Gespräch bringen soll, außer eine Atmosphäre zu schaffen, in der dann weitere Gespräche geführt werden sollen", sagte Gerken im Interview mit SR 2-Moderator Stephan Deppen. Klar sei zurzeit lediglich, dass US-Präsident Donald Trump die Weltwirtschaft gehörig durcheinandergewirbelt habe.

TTIP-Chance vertan

Gerken äußerte auch sein Bedauern darüber, dass das Freihandelsabkommen TTIP in der Obama-Ära nicht zustande gekommen sei. Schon damals hätten sich die Europäer nicht einigen können - seiner Ansicht nach vor allem wegen "massivster Propaganda", die damals betreieben worden sei - Stichwort Chlorhühnchen. Jetzt aber, wo die Chance vertan sei und Trump eine "isolationistische Politik" betreibe, forderten die europäischen Politiker auf einmal wieder "Freihandel, Freiraum, keine Zölle", kritisierte Gerken. "Ich würde mich freuen, wenn wir ein Abkommen wie TTIP jetzt bekommen würden".


Hintergrund:

tagesschau.de
Juncker auf "Mission Impossible"?
Kann ein ausgewachsener Handelskrieg zwischen Europa und Amerika noch abgewendet werden? Heute könnte sich die Frage entscheiden: Bei einem Besuch von EU-Komissionspräsident Juncker im Weißen Haus.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 25.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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