Argentinien = Profiteur der internationalen Handelskonflikte?

Argentinien = Profiteur der internationalen Handelskonflikte?

Ein Interview mit Barbara Konner, Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer AHK

Katrin Aue / Onlinefassung: Martin Breher   20.07.2018 | 17:33 Uhr

Am Samstag treffen sich in Argentinien die Finanzminister der G20-Staaten, um unter anderem über den internationalen Handelskonflikt zu diskutieren. Im SR 2-Interview mit Katrin Aue spricht die Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer über die aktuelle Stimmung in der argentinischen Wirtschaft.

Nach der "Hochstimmung im letzten Jahr" sei die Stimmung in der argentinischen Wirtschaft zurzeit "etwas verhalten", meint Barbara Konner, die Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer AHK im SR 2-Interview. Das habe unter anderem mit der "internationalen Großwetterlage" und deren Konsequenzen zu tun.

Kapitalflucht in die USA

Barbara Konner, Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer AHK (Foto: AHK)
Barbara Konner, Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer AHK

Seit Beginn des Jahres hat die argentinische Währung Peso dramatisch an Wert verloren. Konner sieht als Auslöser dafür die Zinserhöhung der Federal Reserve, also der US-amerikanischen Notenbank. Daraufhin habe es eine "Flucht des Kapitals in die USA" gegeben. Dazu komme, dass die trockene Zeit und die damit verbundene schlechte Ernte dem Land durch ausbleibende Exporte Verluste von vier Milliarden US-Dollar eingebracht hätten. Außerdem sei der Peso seit längerem stark überbewertet gewesen, die Abwertung also letztlich nur "eine Frage der Zeit gewesen", meint die Expertin.

USA als Konkurrent geschwächt?

Die protektionistische Politik von Donald Trump sei allerdings nicht unbedingt der Grund für die verhaltene wirtschaftliche Stimmung im Land, da die argentinische Regierung für wichtige Handelsgüter wie Stahl oder Zitronen mit den USA bilaterale Abkommen abgeschlossen habe, erklärt Konner.

Manche Effekte der Politik von US-Präsident Donald Trump könnten sogar positive Effekte auf die argentinische Wirtschaft haben, wie etwa der Export von Soja nach China, wo die USA nun als Konkurrent geschwächt werden könnten. Dennoch sei die argentinische Regierung aber auch weiterhin für "freie Märkte und eine Liberalisierung der Handelsströme", so Konner.

Wichtig für Argentinien und ein Wunsch an das G20-Treffen sei, dass Strukturen geschaffen werden, damit das Land auf "einen nachhaltigeren Wachstumspfad" gebracht werden könne. Dazu müssten auch Themen wie Transparenz oder Digitalisierung "mit viel Input von außen" angeschoben werden.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 20.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichet.

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