"Eine politische Meisterleistung"

"Mit Mandela begann eine neue Ära"

Ein Interview mit Henning Suhr, dem Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südafrika

Katrin Aue / Onlinefassung: Martin Breher   18.07.2018 | 12:37 Uhr

Nelson Mandela war der berühmteste Häftling der Welt. 27 Jahre saß er im Gefängnis - für seinen Kampf gegen das Apartheidsystem in Südafrika. Er wollte Chancengleichheit für alle Südafrikaner, dafür kämpfte er auch in den 1990er-Jahren als Präsident. Am 18. Juli wäre er 100 Jahre alt geworden. Ein Interview über Mandelas Vermächtnis mit Henning Suhr, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südafrika.

Henning Suhr, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südafrika (Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung)
Henning Suhr, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südafrika

"Ohne Frage war es eine politische Meisterleistung, die Nelson Mandela vollbracht hat", sagt Henning Suhr, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung Südafrika über Mandelas Kampf gegen die Apartheid. Der Name des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten und Nobelpreisträgers werde aber heutzutage oft auch missbraucht, etwa bei der inflationären Verwendung im kommerziellen Bereich wie beispielsweise in der Werbung oder in Firmennamen.

Eine neue Ära

Mit Mandela habe "eine neue Ära" begonnen, denn durch ihn seien zum ersten Mal in der Geschichte Südafrikas Wahlen durchgeführt worden, "die man auch als demokratisch bezeichnen konnte", erklärt Suhr im SR 2-Interview mit Katrin Aue. Außerdem hätten alle Bürger Südafrikas Freiheitsrechte erhalten, und diesen Aspekt könne man "gar nicht hoch genug bewerten".

Weiterhin strukturelle Benachteiligung

Von Mandelas Vision gleicher Chancen für alle Menschen in Südafrika könne aber auch heute noch keine Rede sein. Viele Südafrikaner seien nach wie vor "strukturell benachteiligt". Aber durch bestimmte politische Instrumente wie etwa die "Black Economic Empowerment Policy", durch die Schwarze bevorzugt Arbeitsplätze erhielten und die "Weiße und besonders Ausländer" benachteilige, so Suhr, habe man es dennoch geschafft, "dass es heute vielen Schwarzen besser geht als vorher". Außerdem sei in diesem Jahr – 24 Jahre nach Einführung der Demokratie in Südafrika – die schwarze Mittelschicht erstmals größer sei als die der Weißen.

Immer weniger Schwarze

Außerdem müsse man auch auf das heutige Zahlenverhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika schauen: Nur noch acht Prozent der Bevölkerung seien weiß, es gebe also "mehr Baden-Württemberger in Deutschland als Weiße in Südafrika", sagt Suhr. Die Grenze verlaufe heute demnach nicht mehr so sehr zwischen schwarz und weiß, sondern vielmehr zwischen arm und reich. Es sei nun an der Zeit, sich endlich verstärkt mit den wirtschaftlichen Entwicklungsfragen Südafrikas auseinanderzusetzen, um den typischen Problemen eines Schwellenlandes entgegenzuwirken, meint Suhr.


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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 18.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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