JEFTA: "Große Effekte zunächst nicht zu erwarten"

"Große Effekte zunächst nicht zu erwarten"

Ein Interview mit Prof. Dr. Rolf Langhammer, Institut für Weltwirtschaft in Kiel

Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   17.07.2018 | 07:45 Uhr

JEFTA, das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, Wachstum ankurbeln und neue Jobs schaffen. Große positive Effekte aber sind zunächst ebenso wenig zu erwarten wie spürbare Nachteile, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rolf Langhammer im SR 2-Interview voraus.

Nach fünf Jahren Verhandeln hinter den Kulissen wollen die EU und Japan am 17. Juli ein neues Vertragswerk unterzeichnen: "JEFTA", das bislang größte Freihandelsabkommen Brüssels, soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, Wachstum ankurbeln und neue Jobs schaffen.

Wenig dynamisches Japan

Große positive Effekte aber sind zunächst ebenso wenig zu erwarten wie spürbare Nachteile, prognostizierte Prof. Dr. Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft (Kiel) im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding.

Japan spiele im Konzert der "Giganten" wie den USA und China nicht mehr so eine starke Rolle wie früher. Nicht zuletzt wegen seiner "sehr stark alternden Gesellschaft" sei der Inselstaat auch "kein sehr dynamischer Partner in der Weltwirtschaft". Auch in Sachen Verbraucherschutz hätten europäische Konsumenten wegen der hohen japanischen Standards kaum etwas zu befürchten.

"Lange Zeitschiene"

Beide Seiten hätten für JEFTA Zugeständnisse machen müssen. Während die EU sich beispielsweise bereit erklärt habe, ihren Auto-Markt noch mehr für japanische Fahrzeuge zu öffnen, würden die Japaner ihren Agrarmarkt für europäische Importe öffnen müssen - allerdings nur ganz allmählich, in kleineren Schritten, bis zum Jahr 2040: "Die ganz sensiblen Sektoren sind auf eine lange Zeitschiene gesetzt", sagte Langhammer.

Import-Unlust

Grundsätzlich aber sei es immer problematisch, bei internationalen Handelsverträgen das richtige Maß zu finden, von dem letztlich alle profitierten: "Jeder will exportieren, keiner will importieren", gab Langhammer zu bedenken.


Hintergrund:

tagesschau.de: JEFTA
EU und Japan setzen auf freien Handel
Weniger Zölle und dadurch langfristig mehr Wachstum und Jobs: Das erwarten Japan und die EU von ihrem neuen Freihandelsabkommen. Jetzt wurde es unterzeichnet - es soll auch ein Signal an die USA sein.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 17.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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