Trump & Putin - vor dem "ersten Kennenlernen"

Trump & Putin - vor dem "ersten Kennenlernen"

Ein Interview mit ARD-Korrespondent Jan Bösche

Kai Schmieding / Onlinefassung: Rick Reitler   11.07.2018 | 08:45 Uhr

Der ARD-Korrespondent Jan Bösche befürchtet, dass es beim Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin auch um eine Neu-Ausrichtung der amerikanischen Nato-Politik gehen könnte - zum Nachteil Europas. An einen Schritt auf dem Weg zur Lösung des Syrien-Konflikts glaubt er angesichts der unterschiedlichen Interessenlage eher nicht. Ein SR 2-Interview.

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NATO?

Über was genau die beiden Staatenlenker reden werden, ist unklar. ARD-Korrespondent Jan Bösche aber befürchtet, dass es auch um eine Neu-Ausrichtung der amerikanischen NATO-Politik gehen könnte - zum Nachteil Europas. "Das ist die große Sorge, nicht nur in den europäischen Hauptstädten, sondern durchaus auch in Washington", sagte Bösche im Gespräch mit SR 2-Moderator Kai Schmieding. "Es ist ja ein Vier-Augen-Gespräch geplant, also ohne Berater, die den Präsidenten zur Not zurückhalten können."

Syrien? Iran?

Dass beide Seiten sich womöglich bei der Lösung des Syrien-Konflikts näher kommen könnten, scheint Bösche angesichts der unterschiedlichen Interessenlage eher unwahrscheinlich. Klar sei lediglich, dass Trump am liebsten amerikanische Soldaten "so schnell wie möglich" vom Kampf gegen den IS in Syrien abziehen - und andererseits den iranischen Einfluss in der Region schmälern wolle. "Da ist die große Frage: Wie soll das passieren?", fragte Bösche. "Wird Trump Putin bitten, seiner Politik zu folgen? Aber was wird er Putin dafür geben? Wird Putin einfach so seinen Einfluss dort zurückschrauben? Sicher nicht."


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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 16.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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