NATO-Kurs zurück in die Achtziger?

NATO-Kurs - zurück in die Achtziger?

Ein Interview mit Horst Teltschik, ehemaliger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz

Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   11.07.2018 | 08:45 Uhr

Für Horst Teltschik, den ehemaligen Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, ist Donald Trump zwar unberechenbar - das aber sei noch kein Grund für die übrigen NATO-Staaten, ihre finanziellen Zusagen zu brechen. Beim Nato-Gipfel sei es nun wichtig, wieder zu einer "aktiven Politik gegenüber Russland" überzugehen, bei der es auch um Abrüstung gehen sollte.

Beim NATO-Gipfel in Brüssel könnte es um das Ende des Westens, um das Ende der Nachkriegsordnung gehen - das jedenfalls schrieb das Nachrichtenmagazin Spiegel vor wenigen Tagen. US-Präsident Donald Trump ist unzufrieden mit dem finanziellen Engagement seiner Bündnispartner. Und das ausgerechnet in turbulenten Zeiten voller internationaler Krisen - Stichworte: Migration, EU, Euro, Russland, Syrien, IS-Terror, Handelsstreit, Brexit.

Finanzielle Vereinbarungen einhalten

Für Horst Teltschik, den ehemaligen Kanzlerberater Helmut Kohls und Ex-Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, ist Trump zwar grundsätzlich "unberechenbar" und "ein unkalkulierbarer Faktor" - das aber sei noch kein Grund für die übrigen NATO-Staaten, ihre finanziellen Zusagen innerhalb des Militärbündnisses zu brechen: "Wenn man etwas vereinbart, sollte man es auch einhalten", forderte Teltschik im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner.

Pro Abrüstungsgespräche

Mit Blick auf die Zukunft der NATO halte er es für wichtig, bald wieder gemeinsam zu einer "aktiven Politik gegenüber Russland" überzugehen. "Was ich für kritisch halte, ist in der Tat, dass wir im Augenblick zwischen Ost und West wie in alten Zeiten agieren", gab Teltschik zu bedenken. "Und was ich schon auf der letzten Münchener Sicherheitskonferenz gegenüber dem NATO-Generalsekretär kritisiert habe, ist der Mangel an neuen Initiativen zum Thema Abrüstung und Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen."

Das alles habe man ja schon gehabt, und es habe sich "durchaus bewährt", sagte Teltschik. In Zeiten "neuer Bedrohungen wie Cyber-War" solle man nun "viel mehr versuchen, auf dem Thema von Verhandlungen über Absrüstungen und Rüstungskontrolle zu Ergebnissen zu kommen - und nicht ständig über neue Waffen und Aufrüstung sprechen."


Rückblick (Archiv-Interview, 28.03.2018):

Horst Teltschik über die Krise der Diplomatie
"Sehnsucht nach der Rückkehr des Kalten Krieges"
Der politische Berater Horst Teltschik sieht angesichts des diplomatischem Umgangs Europas und der NATO mit Russland die "Sehnsucht Einiger nach der Rückkehr des Kalten Krieges". Im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Marmit kritisierte er u. a. das "groteske" Verhalten insbesondere von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 11.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

Artikel mit anderen teilen