"Die Europäische Union ist bereit, über Leichen zu gehen"

"Die Europäische Union ist bereit, über Leichen zu gehen"

Ein Interview mit Sea Watch-Sprecher Ruben Neugebauer

Roland Kunz / Onlinefassung: Rick Reitler   05.07.2018 | 15:25 Uhr

Ruben Neugebauer, der Sprecher von Sea Watch, hat dazu aufgerufen, die Verantwortlichen für die Festsetzung von NGO-Rettungsschiffen und Suchflugzeugen vor Gericht zu bringen. Im SR 2-Interview gab er sich fassungslos über den aktuellen Kurs der EU, die für ihre Abschottungspolitik sogar den Tod von Menschen in Kauf nehme.

Menschen in Seenot aus dem Mittelmeer fischen und an die europäischen Küsten bringen - damit könnte es für private Hilfsorganisationen wie Life Line oder Sea Watch sehr bald vorbei sein: Erstmals seit Jahren darf zurzeit kein Rettungsschiff den Hafen von Malta verlassen. Auch ein Suchflugzeug darf nicht aufbrechen.

"Unliebsame Zeugen beseitigen"

Für Ruben Neugebauer, den Sprecher von Sea Watch, sind beide Festsetzungen Teil einer "bewussten politischen Kampagne gegen zivile Seenotrettung". Die EU wolle "unliebsame Zeugen" der europäischen Migrationspolitik "fern halten" und nehme für ihre Abschottung auch deren Tod in Kauf - so Neugebauer im Gespräch mit SR 2-Moderator Roland Kunz.

"Die Europäische Union ist bereit, über Leichen zu gehen", ergänzte der Sea Watch-Sprecher. Er forderte, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen und die gesamte Debatte um Asylsuchende zu "versachlichen". Der "Druck" dafür müsse auch von den Menschen auf der Straße kommen.


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Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Nachmittag" vom 05.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.
(Foto oben: SR / Sabine Wachs)

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