"Die Erwartungen an Entwicklungshilfe sind deutlich zu hoch"

"Erwartungen an Entwicklungshilfe sind zu hoch"

Interview: Prof. Jann Lay vom Giga Institut Hamburg

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Benjamin Morris   05.07.2018 | 08:10 Uhr

Prof. Jann Lay, geschäftsführender Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien in Hamburg, schätzt die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Fluchtursachen durch Entwicklungshilfe in Afrika im SR 2-Interview als eher gering ein. Die Bezeichnung "Marshallplan für Afrika" führe zu zu hohen Erwartungen. Die Probleme vor Ort seien nicht einfach durch kurzfristige projektbezogene Hilfe von Außen zu lösen, sagte er im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger.

Ein Boot der spanischen Küstenwache mit afrikanischen Füchtlingen (Foto: dpa)
Ein Boot der spanischen Küstenwache mit afrikanischen Füchtlingen (Foto: dpa)

Die Floskel "Fluchtursachen bekämpfen" wird in der Migrationsdebatte oft bemüht, ist aber bislang kaum mit Inhalt gefüllt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf Afrika wieder diese Formel bemüht und vom "Marshallplan für Afrika" gesprochen.

Eine Bekämpfung der Fluchtursachen durch Entwicklungshilfe sieht der geschäftsführende Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien in Hamburg, Prof. Jann Lay, allerdings eher kritisch: "Die Erwartungen an Entwicklungshilfe sind deutlich zu hoch."

"Es braucht afrikanische Lösungen"

Es gebe kaum ein Beispiel, bei dem sich ein Land durch Hilfe von außen entwickelt habe. Es werde immer noch zu wenig anerkannt, dass es "afrikanische Lösungen" brauche und dass die Rolle von Entwicklungszusammenarbeit eher eine unterstützende sein müsse. "Letzten Endes müssen die Probleme in Afrika vor Ort gelöst werden - dazu können wir vielleicht beitragen", so Lay weiter. Dementsprechen kritisierte er auch den Ausdruck "Marshallplan für Afrika": "Der Marshallplan hat einen sehr unglücklichen Namen. Der Name setzt die Erwartungen sehr hoch."

Mehr an Strukturen ansetzen

Statt kurzfristige Entwicklungshilfe-Projekte brauche es nachhaltige und langfristige Maßnahmen: "Ich würde mir wünschen, dass man mehr an Strukturen ansetzt. Nachhaltiger, langfristiger denkt, staatliche Kapazitäten aufbaut und sich den Bildungssektor vornimmt." Das sei allerdings mühsam und politisch nicht so leicht zu verkaufen wie kurzfristigere Projekte.

temporäre Arbeitsmigration aus Afrika?

Es gebe allerdings auch vielversprechende Lösungsansätze, die aus politischen Gründen allerdings nicht umgesestzt würden: "Die Lösungen liegen vielleicht auch da, wo es ein bischen weh tut, und dann wird es politisch schwierig", meinte Lay. Als Beispiel nennt er eine legale temporäre Arbeitsmigration aus Afrika.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 05.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

(Foto im Aufmacher: Werner Bartsch/Pressefoto)

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