"Gottseidank hat sich Merkel diesmal bewährt"

"Gottseidank hat sich Merkel diesmal bewährt"

Ein Interview mit dem britischen Autor und Deutschland-Experten James Hawes

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   02.07.2018 | 07:45 Uhr

"Seehofer ist der Verlierer!" Der britische Autor James Hawes ("Die kürzeste Geschichte Deutschlands") hat das Rücktrittsangebot von Innenminister Horst Seehofer mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Sollte die Koalition aus CDU/CSU und SPD nun platzen, könne er gut mit einer "Jamaika-Regierung" in Deutschland leben. Ein SR 2-Interview.

"Seehofer ist der Verlierer!" Der britische Autor James Hawes ("Die kürzeste Geschichte Deutschlands") hat das Rücktrittsangebot von Innenminister Horst Seehofer mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. "Gottseidank hat sich Merkel diesmal bewährt und ist nicht eingegangen", sagte Hawes im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger.

Merkel "triumphal"

Anerkennung zollte Hawes vor allem Merkels Kurs in der europäischen Flüchtlingspolitik: Die Kanzlerin habe sich anders als der britische konservative Regierungschef David Cameron vor etwa drei Jahren nicht von jener "Splittergruppe" unter Druck setzen lassen, die ein Weiterrücken nach rechts angestrebt hätte. In Großbritannien habe das damals letztlich zum "fatalen Brexit-Referendum" geführt, mahnte Hawes. Angela Merkel als konservative Regierungschefin Deutschlands sei dagegen aus einer ähnliche Situation nun wieder "triumphal herausgekommen". Ihre "politische Geschicklichkeit" habe sich "noch einmal bewährt", so Hawes Einschätzung.

Zurzeit sehe er niemanden, der Merkel in Deutschland ersetzen könnte. Sollte die Koalition platzen, könne er gut mit einer "Jamaika-Regierung" in Deutschland leben: "Jamaika ohne CSU, das ginge auch, wenn ich das verstehe", sagte Hawes.

Kern der EU stärken

Auf europäischer Ebene sei es nun "unbedingt nötig", dass sich Deutschland und Frankreich als Kernländer der EU "nun zusammentun wie zu Zeiten De Gaulles und Adenauers", forderte Hawes. Das sei in der gegenwärtigen "richtigen Krisenlage" die "einzige Hoffnung".

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 02.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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