Bloggerin Katharina Nocun: "Das Internet vergisst schon"

"Das Internet vergisst schon"

Ein Interview mit der Bloggerin und Autorin Katharina Nocun

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Martin Breher   25.05.2018 | 12:10 Uhr

Seit dem 25. Mai gilt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Das Gesetz soll den Nutzern mehr Macht über ihre eigenen Daten geben. Die Bloggerin und Autorin Katharina Nocun ("Die Daten, die ich rief") erklärt im SR 2-Interview mit Jochen Erdmenger, was sich genau hinter dem Gesetz verbirgt: das Recht auf Vergessen, die Möglichkeit zur Datenportierung und eine verschärfte Auskunftspflicht für Unternehmen.

Das Recht auf Vergessen

"Das Internet vergisst schon", glaubt Bloggerin Katharina Nocun und widerspricht damit der Devise, dass das Internet nie vergesse. Wenn man zum Beispiel Einträge bei Google entfernen lassen möchte, müsse das Unternehmen jedoch abwägen, ob das öffentliche Interesse oder das Interesse des Individuums überwiege.

Datenportabilität

Die neue Datenschutzgrundverordnung bringt auch ein Recht auf Datenportabilität mit sich. Das bedeutet, dass Unternehmen die gespeicherten Daten in maschinenlesbarer Form herausgeben müssen, wenn der Nutzer beispielsweise zu einem anderen Anbieter umziehen möchte. Das solle dazu führen, "dass man mit einem Klick mit seinen Daten umziehen" könne, erklärt Bloggerin Katharina Nocun.

Auskunftsplicht für Unternehem

Bei Datenpannen und Sicherheitslücken sind die Unternehmen mit der neuen Datenschutzgrundverordnung nun verpflichtet, Auskunft darüber zu geben. Das bisherige Eigeninteresse der Unternehmen, etwa die Angst vor Klagen auf Schadensersatz, soll nun hinter dem Interesse des Nutzers stehen, der besser informiert werden soll, was mit seinen Daten passiert.

Gerade wenn es um Passwörter gehe und der Nutzer dasselbe Passwort für mehrere Dienste benutze, sei es extrem wichtig, dass das Passwort umgehend geändert werde, so Nocun. Das sei aber natürlich nur möglich, wenn man als Nutzer auch über die Panne informiert werde.

Mehr Sicherheit durch höhere Strafen

Nocun glaubt, dass die neue Datenschutzgrundverordnung mehr Sicherheit bringen werde: "Bisher war es so, dass die maximal verhängten Strafen im Bereich Datenschutz bei ungefähr einer Million Euro lagen, und das hat dazu geführt, dass Google und Facebook und andere Unternehmen systematisch Recht gebrochen haben. Und das wird sich in Zukunft ändern."


Buchtipp:

Katharina Nocun
"Die Daten, die ich rief.
Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen"

347 Seiten, 18,00 Euro
Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7857-2620-4

Katharina Nocun: "Die Daten, die ich rief" (Foto: Lübbe-Verlag)


Mehr Infos zur neuen DSGVO:

tagesschau.de
Das neue EU-Datenschutzrecht
Nach langen Verhandlungen und zweijähriger Übergangszeit gilt ab dem 25. Mai das neue EU-Datenschutzrecht. Was das neue Gesetz bringt, wer die neuen Regeln kontrolliert und was bei Verstößen passiert erklären die Kollegen der Tagesschau.

Dossier:

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 25.05.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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