Ein Jahr Macron: "Das sind Dinge, die muss erst mal einer nachmachen"

"Das sind Dinge, die muss erst mal einer nachmachen"

Ein Interview mit Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, über ein Jahr Präsident Emmanuel Macron

Katrin Aue / Onlinefassung: Martin Breher   07.05.2018 | 12:40 Uhr

Seit genau einem Jahr ist der französische Staatspräsident Emmanuel Macron im Amt. Frank Baasner, der Präsident des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, zeigt sich im SR 2-Interview beeindruckt von der Anzahl und der Geschwindigkeit seiner Reformen.

Am 7. Mai 2017 hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sein Amt angetreten. Und in diesem ersten Jahr habe er eine Menge erreicht, meint Frank Baasner, der Präsident des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, im SR 2-Interview mit Katrin Aue:

Seine politischen Gegner in Frankreich finden natürlich falsch, was er macht - seine Anhänger finden das richtig. Von außen betrachtet ist es ganz erstaunlich, wie viel er bereits umgesetzt hat und wie viele Reformbaustellen er aufgemacht hat.

Arbeitsrecht und Bildung

Prof. Dr. Frank Baasner (Foto: Deutsch-Französisches Institut Ludwigsburg)
Prof. Dr. Frank Baasner vom Deutsch-Französischen Institut Ludwigsburg

Es sei überraschend zu beobachten gewesen, wie schnell Macron per Dekret Änderungen im Arbeitsrecht durchgesetzt habe, die Kündigungen und Neueinstellungen erleichtern sollten. "Genauso stark" seien aber auch die Reformen, die Macron im Bildungsbereich angestoßen habe, wie zum Beispiel die Grundschulklassen in sozialen Brennpunkten zu halbieren und damit doppelt so viele Lehrer in diesen Schulen einzusetzen. "Das sind Dinge, die muss erst mal einer nachmachen", meint Baasner.

SNCF-Proteste

Auch wenn es zwar Proteste gegen manche Reformen gebe, wie etwa bei der geplanten SNCF-Reform, seien diese angesichts der tiefgreifenden Themen doch sehr gering, so Baasner. Anders als bei früheren Reformen gebe es diesmal keine Solidarisierung bei den französischen Bürgern, weshalb der Präsident des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg damit rechnet, dass die Reformen kommen.

Außenpolitik

Auch bei seiner großen europäischen Vision, die Macron vorgelegt habe, dürfe man ihn nicht unterschätzen: "Er ist jung, er ist dynamisch, er hat sehr genau überlegt, was er da macht", so Baasners Einschätzung. Auch wenn man über die nötigen Instrumente einer EU-Reform diskutieren könne, werde man "nicht in Abrede stellen können, dass er mit der Analyse, was geschehen muss, völlig recht" habe, sagte der Frankreich-Experte. Es sei klar, dass Europa "einen Schritt nach vorne" brauche, um die großen Fragen in den Themen Migration, Eurozone oder Verteidigung zu lösen.

Baasner prognostiziert, dass Macron mit seinen Plänen Erfolg haben werde: "Einen Teil wird er sicherlich umsetzen können". Dass er vielleicht nicht alles umsetzen könne, sei völlig normal.

"Eine Achse Frankreich-USA wird es sicherlich nicht stärker geben, als es sie immer gegeben hat", sagte Baasner über die Beziehungen zwischen Macron und US-Präsident Donald Trump. Macron habe es aber geschafft, in den USA "irgendwie mal ernst genommen zu werden." Dazu hätten sein symbolhaftes Handeln und die bewusste Inszenierung von Politik sicherlich beigetragen - etwa Trump zur Militärparade nach Paris einzuladen und mit ihm auf dem Eiffelturm zu speisen.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 07.05.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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