"Heiko Maas hält auch Gegenwind aus"

"Heiko Maas hält auch Gegenwind aus"

Ein Interview mit Politikredakteur Nico Fried (Süddeutsche Zeitung)

Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   09.03.2018 | 07:45 Uhr

Der Wechsel in das Amt des Bundesaußenministers wird Heiko Maas "sicher nicht schaden", meint Politikredakteur Nico Fried von der Süddeutschen Zeitung im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner. Auch mit den übrigen Umdrehungen im Personalkarussel der SPD kann er sich durchaus anfreunden.

Sigmar Gabriel muss seinen Platz an der Spitze des Auswärtigen Amtes für den bisherigen Justizminister Heiko Maas räumen: Schon einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der sechs Sozialdemokraten für das künftige GroKo-Bundeskabinett war diese aus saarländischer Sicht wohl interessanteste Nachricht am 8. März durchgesickert.

Maas - ein Mann "mit Zukunft"

Auch wenn Gabriel die Arbeit eines Außenministers "ganz ordentlich gemacht" habe, komme nun mit Heiko Maas ein Mann, der "teamfähig" sei und "mit Sicherheit zu den Persönlichkeiten in der SPD gehört, die noch eine Zukunft haben", sagte Politikredakteur Nico Fried von der Süddeutschen Zeitung im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner.

Kritik- und widerstandsfähig

Kann Heiko Maas Bundesaußenminister?
Audio [SR 1, Interview Christian Balser/Michael Thieser, 09.03.2018, Länge: 2:52 Min.]
Kann Heiko Maas Bundesaußenminister?
Doch der Chef des Außenministeriums der richtige Job für Heiko Maas? Diese Frage beantwortet SR 1- Politik- Experte Michael Thieser.


Fried charakterisierte den 51-jährigen Saarländer als einen Politiker, der durchaus verstehe, "sich selbst zu inszenieren, ohne dabei gegen die Partei allzu sehr aufzubegehren oder sich zu sehr wichtig zu machen".

Zudem sei Maas ein Sozialdemokrat "mit festen Überzeugungen", der "auch Gegenwind" aushalte. Als Beleg dafür nannte Fried den Umgang Maas' mit der starken Kritik, die ihm vor allem in den sozialen Medien wegen seines Netzwerkdurchsetzungsgesetzes entgegengeschlagen war. "Das hat er ausgehalten, insofern ist das sicher jemand, der in der Zukunft der SPD eine Rolle spielen wird, und da wird ihm das Auswärtige Amt als Ministerium und die fortwährende Präsenz im Fernsehen sicherlich nicht schaden."

Giffey Familienministerin? "Sehr gute Idee"

Auch den Wechsel der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey an die Spitze des Familienministeriums hält Fried wegen ihrer "pragmatischen Persönlichkeit" für "eine sehr gute Idee" - auch wenn er sie persönlich lieber als Arbeits- und Sozialministerin gesehen hätte: "Da ist sie einfach auch besser drin in der Thematik", so Fried.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 09.03.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Hintergrund

Politik
Heiko Maas wird Außenminister
Die SPD hat am Freitag ihre Minister für das neue Bundeskabinett offiziell benannt. Demnach wird Heiko Mass dem GroKo-Kabinett als neuer Außenminister angehören.

Politik
Zeitenwende bei der Saar-SPD
Auf dem SPD-Landesparteitag geht bis Samstag Nachmittag eine politische Ära zu Ende: Nach über 17 Jahren wird Heiko Maas als Parteivorsitzender im Saarland zurücktreten. Anke Rehlinger stellt sich als seine Nachfolgerin zur Wahl.

Interview mit dem Politologen Dr. Gero Neugebauer
Die SPD zwischen Regieren und Erneuern
Für den Politikwissenschaftler Dr. Gero Neugebauer wird die aktuelle Spaltung der SPD-Basis nach ihrem Zwei-Drittel-Ja zur Groko nicht von Dauer sein: Die "wenigen, die dagegen geworben haben", werden sich "letztlich der Fraktionsdisziplin beugen", sagte Neugebauer voraus. SR 2-Moderatorin Karin Mayer wollte mehr von ihm über die Rolle der SPD zwischen Regierungspartnerschaft und Erneuerung, über Andrea Nahles als Parteivorsitzende und Olaf Scholz als Bundesfinanzminister wissen.

Artikel mit anderen teilen