Saarländische Wissenschaftler erforschen autonomes Fahren

Saarländische Ideen für autonomes Fahren

Dagmar Scholle / Onlinefassung: Martin Breher   22.02.2018 | 11:31 Uhr

Auch im Saarland wird intensiv daran geforscht, Autofahren ganz neu zu denken: selbstfahrend, smart, vernetzt. Doch wohin steuert das "Autoland Saarland", wenn rund 45.000 Arbeitsplätze am Fahrzeugbau samt Zulieferern hängen? SR 2-Reporterin Dagmar Scholle hat sich bei verschiedenen Wissenschaftlern im Saarland umgehört.

Wer nach der Zukunft unserer Mobilität und damit auch nach der des "Autolandes Saarland" fragt, erhält unterschiedliche Antworten. Stefan Nürnberger, Datensicherheitsexperte am CISPA, dem Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit im Saarland, stellt sich das so vor: "Ich hole mein Smartphone aus der Tasche und sage: Ich möchte gerne in zehn Minuten nach Dudweiler fahren. Und dann holt mich ein autonomes Fahrzeug ab und fährt mich von Saarbrücken nach Dudweiler."

"Hochautomatisiert"

Ob es genau so kommt, weiß derzeit niemand. Erforscht wird die Zukunft des Autofahrens im Saarland aber intensiv. Professor Wieker und seine Arbeitsgruppe von der htw saar zum Beispiel untersuchen, wie autonome Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Mit dem Begriff "autonomes Fahrzeug" hat Wieker jedoch ein Problem: "Autonom ist die Rote Flora in Hamburg. Ich rede lieber von fahrerlosen oder hochautomatisierten Fahrzeugen."

Ein Blick auf die Teststrecke in Merzig

Begrifflichkeiten sind das eine, aber den Forschern geht es vor allem um die Technik. Und die kann auf dem Testfeld in Merzig ausprobiert werden. Mitten in der Stadt, eingerichtet im Jahr 2013, gefördert vom Bundesforschungsministerium und dem Saarland mit einer knappen Dreiviertelmillion Euro. Gefördert wurde aber nur die Hardware: Laufende Personalkosten müssen mühsam über Forschungsprojekte finanziert werden.

Ein Schild an der Teststrecke in Merzig (Foto: Dagmar Scholle/SR)

Entlang der Teststrecke sind zahlreiche unsichtbare Kommunikationseinheiten installiert. Damit schaffen die Forscher mitten im fließenden Verkehr künstliche Bedingungen und überprüfen so die programmierten Funktionen ihres Fahrzeugs. Fahrerlose Autos sieht man hier allerdings (noch) nicht.

Die Stadt Merzig stellt ein Projektbüro für die Teststrecke, profitiere davon aber "finanziell in keinster Weise", wie Bürgermeister Marcus Hoffeld betont. Dennoch bedeute ihm das Testfeld viel. Er sieht darin eine Zukunftsinvestition für seine Stadt: "Das ist unser Fernziel, dass irgendwann mal Automobile ohne Fahrer dort fahren sollen auf den Merziger Straßen, um für die Unternehmen interessant zu sein, als Standort, der sich offen präsentiert."

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Wie es mit den Forschungen zum selbstfahrenden Auto weitergeht? Professor Horst Wieker hält sich bedeckt, da im Moment ein "Call" zur Beantragung von weiteren Forschungsmitteln laufe. Auf externes Geld setzen alle, die sich mit dem automatisierten Fahren im Saarland beschäftigen: Die htw saar, das CISPA, das DFKI. Und die Chancen stehen gut: Alleine das Bundesverkehrsministerium stellt bis 2020 bundesweit rund 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Doch für Prof. Wieker von der htw saar ist Geld allein nicht entscheidend. Er kritisiert, dass im Saarland "eine mittelständische Umgebung fehle, die sich genau mit diesen Problematiken auseinandersetzt". Auch Stefan Nürnberger vom CISPA sieht das Saarland eher im Mittelfeld: "Ganz ehrlich denke ich, dass andere da weiter sind."

Eines allerdings haben andere nicht: Grenzüberschreitung. Das Merziger Testfeld, eines von 14 in Deutschland, wird derzeit nach Frankreich und Luxemburg ausgeweitet. Grenzüberschreitende Testfelder gibt es bislang noch gar nicht. Wer europäisch denkt, kommt also am Saarland nicht vorbei.


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