Krawatte mit den Farben der Deutschlandflagge (Foto: dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Bringt AKK mehr Konservatives in die CDU?

Ein Interview mit dem Historiker und Konservativismus-Experten Prof. Andreas Rödder

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   21.02.2018 | 07:45 Uhr

Unter Angela Merkel hat die CDU einen klaren Schwenk nach links gemacht - man denke nur an den Atomausstieg, die Flüchtlingspolitik oder die Zugeständnisse für den aktuellen Groko-Vertrag. Braucht die CDU wieder mehr konservative Elemente - auch mit Blick auf Millionen verärgerter Ex-Wähler? Ein Interview mit dem Mainzer Historiker Prof. Andreas Rödder.

"Das Entscheidende für die CDU ist nicht eine konservative Wende - das Entscheidende für die CDU ist, dass sie über politische Ideen wieder diskutiert." Für den Mainzer Historiker Prof. Andreas Rödder sind kontroverse Debatten in den vergangenen Jahren unter Angela Merkel bei den Christdemokraten generell zu kurz gekommen. Dabei sei die "Palette der Positionen" immer mehr auf die "Merkel-nahen Positionen verengt worden", so dass sich irgendwann "weitere Teile der Partei dann nicht wiedergefunden haben", sagte Rödder im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger. Für eben diesen eher bürgerlich-konservativen Teil der CDU-Anhänger habe sich mit Merkels Kurs eine "Repräsentationslücke" aufgetan - und diese Lücke sei dann von der "Alternative für Deutschland" gefüllt worden.

Frischer "konservativer" Wind mit AKK?

Auch wenn er die designierte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer keineswegs als "Vertreterin eines neuen Konservativismus" verstehe, so bestehe mit ihr doch zumindest die Chance, dass in der Partei wieder "eine breitere Palette von Positionen" abgebildet werden könne, sagte Rödder.

Was ist "konservativ"?

Konservativismus habe für ihn im Übrigen nichts mit "ewigen Werten" zu tun, wie entegegen der historischen Erkenntnisse noch immer vielfach geglaubt werde. So sei etwa im 19. Jahrhundert "Demokratie nicht gerade das Top-Thema von Konservativen" gewesen - heute aber seien "alle Konservativen dafür". Rödders eigene Definition:

"Konservativ zu sein ist vor allem eine politische Denkform, die von einer gewissen gesunden Skepsis ausgeht, die nicht von Theorien her denkt, sondern von Erfahrung und Alltagsvernunft und die vor allen Dingen Zivilgesellschaft vor den Staat setzt."

Konservative Politik zu machen bedeutet nach Rödder somit, die drängenden Fragen - von der Europa- und Bildungspolitik bis zur Digitalisierung und Gesellschaftspolitik - immer wieder neu anhand der konservativen Denkform "durchzudeklinieren". Auch damit könne man zu "ganz überraschenden und innovativen neuen Ergebnissen kommen", sagte Rödder.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 21.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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