Treffen der Partei- und Fraktionsspitze der Saar-CDU (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

All In: Ohne Netz und doppelten Boden!

Ein Kommentar von SR-Landespolitikredakteur Uli Hauck

Uli Hauck   20.02.2018 | 08:25 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer geht gerne volles Risiko, meint SR 2-Politikredakteur Uli Hauck: Sie zieht den Schleudersitz CDU-Generalsekretärin dem bequemen Groko-Sessel im Saarland vor und macht sich für den Berufspolitiker Tobias Hans als ihren Nachfolger stark. Ein Kommentar.

Annegret Kramp-Karrenbauer geht gerne volles Risiko – "All In" – wie es bei den Pokerspielern heißt. Bislang hat sie dabei immer alles richtig gemacht. 2012 lässt sie - entgegen den Rat von Angela Merkel - die ungeliebte Jamaika-Koalition krachen. Neuwahlen, stärkste Kraft, große Koalition – der Rest ist Geschichte.

Im letzten Jahr kommt ihr die SPD – dank des damaligen Schulz-Hypes zumindest zwischenzeitlich nahe. Rot-Rot, die Versöhnung Oskar Lafontaines mit seiner SPD, war in greifbarer Nähe. Was mach AKK? Statt Rote-Socken-Kampagne setzt sie auf Authentizität und gewinnt die Landtagswahl. 40,7 Prozent – aus heutiger CDU-Sicht ein Traumergebnis!

Jetzt zockt Annegret Kramp-Karrenbauer wieder! Ohne Netz und doppelten Boden geht sie nach Berlin. Tauscht den warmen GroKo-Sessel gegen das raue Berliner Politklima! Abnutzungserscheinungen, wie einst Peter Müller, hat AKK im Saarland nie gezeigt – das war nicht der Grund! Sie stünde bereit, wenn sie Merkels Politik in Gefahr sehe, hat sie immer wieder in kleinen Runden vertont. Und jetzt scheint es soweit: Kramp-Karrenbauer will – wie ihre Chefin - die Partei vor einem zu radikalen Kursschwenk nach rechts bewahren.

Dabei – das hat sie den Spahns dieser Welt voraus – sie muss nichts mehr werden. Sie geht bewusst einen Schritt zurück um sich in ihrer Partei zu profilieren, sich als Merkel-Nachfolgerin warm zu laufen. Sie kann diese Chance ergreifen, sie kann aber auch stürzen – wirklich wehtun wird es ihr nicht mehr!

Gelassenheit macht stark

Sie weiß, dass noch kein Kanzler seine Nachfolge selbst regeln konnte, jetzt könnte es klappen, es muss aber nicht. Diese Gelassenheit macht sie stark. Kramp-Karrenbauers Zocker-Gen hat auch massive Auswirkungen auf das Saarland. Statt des von den Zeitungen hoch gehandelten Stephan Toscani soll Tobias Hans ihr Nachfolger werden. Auch hier das Prinzip: Alles oder nichts!

Ulrich Hauck (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Ulrich Hauck

Die natürliche Hackordnung schmeißt Kramp-Karrenbauer über Bord, statt des dienstältesten Ministers will sie einen Berufspolitiker ohne abgeschlossene Berufsausbildung und ohne Ministererfahrung zum Ministerpräsidenten machen. Sie vertraut allein auf Hans politischen Instinkt! In der jetzigen Situation ist diese Entscheidung nachvollziehbar: Denn die SPD liegt zerstört am Boden und finanziell könnte sich die Lage des Saarlandes verbessern. Hans könnte also wieder mehr Geld verteilen.

Volles Risiko

Mittelfristig ist es dennoch wieder: Alles oder nichts! Denn als Wahlkämpfer hat Hans noch nichts gerissen, Erst 2015 verlor er gegen einen farblosen SPD-Kandidaten die Landratswahl im Kreis Neunkirchen. Kramp-Karrenbauer geht volles Risiko: Für sich und für ihre Partei! All in, wie es bei den Pokerspielern heißt.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 20.02.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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