Bitcoin: "ein sehr kapitalistisches Instrument"

"Ein sehr kapitalistisches Instrument"

Im Interview: Wirtschaftsinformatiker Prof. Gilbert Fridgen

Interview: Peter Weitzmann / Hintergrund: Florian Mayer   12.12.2017 | 12:00 Uhr

Die digitale Währung Bitcoin boomt. Seit Sonntag gibt es mit Bitcoin-Terminkontrakten das erste Mal ein Finanzprodukt, mit dem die Internetwährung auch an regulierten Börsen gehandelt werden kann. Im Gespräch mit SR 2-Moderator Peter Weitzmann erklärt Gilbert Fridgen, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bayreuth, was es mit der digitalen Währung Bitcoin auf sich hat und wohin die Entwicklung seiner Einschätzung nach in Zukunft gehen wird.

Der Höhenflug beim Bitcoin hält an. Zu Beginn des Jahres lag der Wert bei knapp 1000 Dollar, nun knackte er die Marke von 17.000 Dollar. Während es zu Beginn vor allem ein Thema bei einer sehr begrenzten, technisch versierten Klientel war, hat die Kryptowährung Bitcoin und die dahinterliegende Technologie mittlerweile die breite Öffentlichkeit erreicht. Genau darin sieht Prof. Gilbert Fridgen auch einen der Gründe für den aktuellen Hype.

Erster Handel an regulierten Börsen

Am Sonntag war der Handel mit Bitcoin zum ersten Mal an einer offiziellen, regulierten Börse gestartet - an der CBOE in Chicago. Dort wird über einen sogenannten "Future" auf die Zukunft der Kryptowährung gewettet. Am kommenden Wochenende startet der "Future"-Handel auch an der größten Terminbörse der Welt, der CME, die ebenfalls in Chicago sitzt.

Woher kommt der Wert?

Der Wert von Währungen beruht darauf, dass Menschen daran glauben oder der Meinung sind, dass die Währung den ihr zugeschriebenen Wert tatsächlich hat und man die Währung gegen Waren, Dienstleistungen oder andere Währungen tauschen kann. Im Falle von Euro oder Dollar stehen Staaten und Zentralbanken hinter ihren jeweiligen Währungen und bilden eine Art Vertrauensbasis.

"Die Motivation war ursprünglich der Widerstand gegen das Bankenwesen"

Im Falle des Bitcoins gibt es allerdings keine Staaten oder Zentralbanken, die als Basis der Währung dienen könnten. Im Gegenteil: Entstanden ist der Bitcoin während der Finanzkrise 2008/2009. Ziel sei damals gewesen, eine Währung zu schaffen, die ohne Zentralbanken und ohne Banken auskommt, erklärt Fridgen: "Die Motivation war ursprünglich der Widerstand gegen das Bankenwesen."

"Bitcoin ist darauf angelegt, jegliche Regulierung zu verhindern."

Gleichzeit sei das auch die größte Schwäche des Bitcoin, meint Fridgen. Aus einer Revolution heraus entstanden, sei Bitcoin zu einem "sehr kapitalistischen Instrument" geworden. "In einer sozialen Marktwirtschaft nutzt man Regulierung, um Marktversagen zu verhindern." Dass das beim Bitcoin nicht gelinge, sehe man auch an "der Blase, die sich da gerade abzeichnet", so Fridgen weiter.

"Viel Neues kommt nach"

Bitcoin sei langfristig auch nicht für den Zahlungsverkehr geeignet, meint Fridgen: "Die Transaktionsvolumina sind zu gering, die Komplexität zu hoch." Auch der Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks sei enorm. Trotzdem hätten Kryptowährungen und die dahinterliegende Technologie eine Zukunft, meint Fridgen: "Mit der dahinterliegender Idee wird man in Zukunft auch Lösungen umsetzen können, die deutlich praktikabler sind." Allerdings hätten sie nur dann eine Chance, wenn sich Staaten selbst dieser Technologie bedienten. Da nur dann eine Regulierung durch die Allgemeinheit stattfinden könne und es kein "rein kapitalistisches Instrument" bleibe.

Hintergrund

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Obwohl digitale Kryptowährungen keine Staaten oder Zentralbanken hinter sich stehen haben, sind sie mitunter dennoch erfolgreich. Das zeigt in diesen Tagen der Bitcoin. Zu Beginn des Jahres lag der Wert noch bei knapp 1000 Dollar, nun knackte er die Marke von 17.000 Dollar. Hinter der digitalen Währung steckt hoch komplizierte Computertechnik - hier einfach erklärt von Florian Mayer.

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Über dieses Thema wurde in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 12.12.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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