Stimmen im Historikerstreit um Franz-Josef Röder

Verhärtete Fronten im Historikerstreit um Franz-Josef Röder

Holger Büchner, Janek Böffel / Onlinefassung: Rick Reitler   28.09.2017 | 13:50 Uhr

Wie "braun" ist die Vergangenheit des ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder (1959-1979) wirklich? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen zwischen Vertretern des Saarländischen Landesarchivs und Autoren der „Saarbrücker Hefte“.

Für SR 2 KulturRadio hat Janek Böffel den Stand der Dinge in diesem "Historikerstreit" zusammengefasst und dafür beide Seiten zu Wort kommen lassen - Landesarchivar Dr. Peter Wettmann-Jungblut und "Saarbrücker Hefte"-Autor Julian Bernstein.

Franz-Josef Röder (Foto: SR)
Franz-Josef Röder

Bernstein ging dabei in die Offensive: "Ich kann nur dazu sagen, dass, wenn man wie Wettmann-Jungblut Forschung betreibt und Röder offensichtlich entlasten möchte, dass man dafür dann auch Quellen bräuchte, die für eine Entlastung sprechen. Und die haben wir aktuell eben nicht". Insofern bewege sich Wettmann-Jungblut "selbst in einer Art spekulativen Geschichtsforschung".

Landesarchivar Dr. Peter Wettmann-Jungblut entgegnet mit dem Hinweis, dass die Argumentation seiner Kritiker  "historisch einfach nicht zulässig" und "methodisch sehr fragwürdig" sei. Er verstehe Röder als "eines dieser Millionen kleinen Rädchen in dem System und hat in dem Sinn dazu beigetragen, dass dieses System funktionierte". Wenn man dies nicht differenziere, "dann können wir alle in Verhaft nehmen; dann haben wir die Kollektivschuld."


Röder als Ministerpräsident

Video-Archiv
SR-Fundstücke: Ein Interview mit Franz-Josef Röder und Peter Altmeier
Nach dem ersten Arbeitstreffen der Regierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland interviewt SR-Redakteur Willi Gasper die beiden Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder und Peter Altmeier, beide CDU. (Sendedatum: 23.10.1963, Länge ca. 4:01 Min.]

Am 30. April 1959 wurde der CDU-Politiker Franz Josef Röder zum dritten Ministerpräsidenten des Bundeslandes Saarland. In seiner 20-jährigen Amtszeit integrierte er das Saarland in das politische und wirtschaftliche Gefüge Deutschlands. So beendete eine umfangreiche Gesetzgebung auf allen Gebieten die Sonderentwicklung, die sich aus französischen Einflüssen im saarländischen Recht ergaben. In Röders Regierungszeit fiel ab er auch die Kohlekrise. Erste Gruben wurden geschlossen. Röder starb am 26. Juni 1979. Einen Tag zuvor hatte er angekündigt, 1980 nicht mehr kandidieren zu wollen.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 28.09.2017 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Die literaturwissenschaftliche Perspektive:

Literaturwissenschaftler Prof. Michael Braun
"Die Erinnerung ist die Tochter der Kunst sozusagen"
Vor dem Hintergrund der Debatte um die NS-Vergangenheit des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder hat SR 2-Redakteurin Tilla Fuchs mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Michael Braun u. a. über die Entwicklung der literarischen Erinnerungskultur von 1945 bis heute - und über ihre jeweiligen gesellschaftlichen Auswirkungen gesprochen.

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