Marine LePen beim Pressetermin (Foto: picture alliance / dpa / EPA / Etienne Laurent)

"Marine LePen wird's jetzt schwerer haben"

Ein Interview mit Frank Baasner, Direktor des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg

Audio: Uli Hauck / Onlinefassung: Rick Reitler  

Der Frankreich-Experte Frank Baasner wünscht sich nach der Wahl von Francois Fillon zum Spitzenkandidaten der französischen Konservativen einen abschließenden Zweikampf zwischen klar liberalen und klar linksorientierten Kräften. Jetzt müsse ein "starker sozialistischer Kandidat" gefunden werden, um den Front National und Marine LePen weiter zu schwächen.

SR 2 - "Fillon wird schon bei seiner Linie bleiben"
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SR 2 - "Fillon wird schon bei seiner Linie bleiben"
[Uli Hauck für SR 2 KulturRadio, Bilanz am Mittag, 28. November 2016, Länge ca. 4:12 Min.]

Für Frank Baasner, den Direktor des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, bedeutet die überraschende Wahl von Francois Fillon zum Spitzenkandidaten des französischen konservativen Lagers eine Schwächung der Position der rechtsnationalen Opposition um Marine LePen. "Wenn ein klares liberales Profil gegen ein klares linkes Profil steht, dann hat sie plötzlich mehr Schwierigkeiten, zu sagen: 'Ich bin die einzige Alternative' ", sagte Baasner im Gespräch mit SR 2 KulturRadio. Er selbst hoffe jetzt auf einen "starken sozialistischen Kandidaten". Falls sich das linke Lager Frankreichs bis zum Januar auf einen solchen einigen könne, werde die abschließende Präsidentschaftswahl am 23. April höchstwahrscheinlich offen bleiben.

Fillon "glaubwürdig"

Im traditionell reform-skeptischen und widerstandsfreudigen Frankreich hatte die Wahl des wirtschaftsliberalen Fillon nicht nur Bürger, sondern auch viele Politikwissenschaftler und Journalisten überrascht. Baasner sieht darin den Ausdruck des wachsenden Bewusststeins, dass man in Frankreich "vielleicht doch ein paar schmerzhafte Dinge machen" müsse. Das habe man schon unter Präsident Sarkozy gewusst, und auch unter dessen Nachfolger Hollande hätten Reformen auf dem Tisch gelegen. "Man weiß das alles", präzisierte Baasner - bis jetzt aber habe es niemanden gegeben, "der die Autorität, Kraft oder Glaubwürdigkeit besessen" habe, "das dann tatsächlich auch durchzubringen". Fillon dagegen sei so eine Personalie: Er sei "zumindest glaubwürdig, er ist besonnen, man nimmt ihm ab, dass er es ernst meint. Man wird sehen, ob das reicht."

Hintergrund

Francois Fillon hatte bei seinem Wahlkampf u. a. angekündigt, Frankreichs schwächelnde Wirtschaft wieder konkurrenzfähiger zu machen und den Staatshaushalt auf gesündere Beine zu stellen: Längere und flexiblere Arbeitszeiten, weniger Beamte, eine Teil-Privatisierung der Krankenversicherung, Staatsschuldenabbau und Steuersenkungen für Unternehmen gehörten zu seinem Vorwahl-Programm.

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