Eine Stimme von SR 2: Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Schlappe für Sarkozy, Favoritenrolle für Fillon

Ein Interview mit Claire Demesmay von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik

Audio: Stephan Deppen / Onlinefassung: Rick Reitler  

Am kommenden Sonntag treten überraschend die beiden früheren Premierminister François Fillon und Alain Juppé zur Stichwahl für die Präsidentschaft-Spitzenkandidatur der bürgerlichen Partei in Frankreich an. Für Mitfavorit Nicolas Sarkozy ist dagegen endgültig Schluss mit Politik. SR 2 KulturRadio hat mit Claire Demesmay über die Besonderheiten der Kandidatenkür gesprochen.

Claire Demesmay über Sarkozy, Fillon, Juppé und den französischen Wahlmodus
Mediathek: Interview
Claire Demesmay über Sarkozy, Fillon, Juppé und den französischen Wahlmodus
[Stephan Deppen für SR 2 KulturRadio, Bilanz am Mittag, 21. November 2016, Länge ca. 5:51 Min.]

Für die französischen Konservativen wird nun doch nicht Nicolas Sarkozy als Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten antreten: Statt ein Comeback zu feiern, schaffte er es bei der Vorwahl des bürgerlichen Lagers am 20. November nicht unter die beiden besten Kandidaten und wird sich von der politischen Bühne zurückziehen.

Fillon oder Juppé?

Stattdessen treten nun die beiden früheren Premierminister François Fillon und Alain Juppé am 27. November zur Stichwahl für die Spitzenkandidatur der "Républicains" an. Favorit ist dabei Fillon - auch für Claire Demesmay von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik. Entscheidend ist nach ihrer Ansicht nun, wer zur Entscheidung die meisten Wähler mobilisieren kann - der "erzkonservativ" denkende Fillon oder doch der eher progressive Juppé.

Sollte Fillon sich als konservativer Kandidat durchsetzen, so habe er auch gute Karten, was den Einzug in den Elyséepalast im Mai 2017 angehe. "Man kann schon davon ausgehen, das der Kandidat der Konservativen gute Chancen hat, der nächste Präsident zu werden", sagte Demesmay im Gespräch mit SR 2 KulturRadio. Das sei allerdings "überhaupt nicht sicher". Denn "wenn Fillon gewinnt, würde es keinen Kandidaten mehr in der Mitte geben". Das wiederum würde bedeuten, dass die Karten vor der entscheidenden Wahl "neu gemischt würden". Die Frage sei deswegen, was die Sozialisten, das Zentrum und Marine LePen nun tun würden: "Es könnte noch einige Überraschungen geben".

Vier Millionen Wählerstimmen beim Vorentscheid

In Frankreich wählen nicht nur die Parteimitglieder ihre Spitzenkandidaten, sondern auch die Anhänger anderer politischer Lager. So dürfen beispielsweise auch sozialistisch eingestellte Bürger beim Kandidatenvorentscheid der Konservativen zur Wahlurne gehen und umgekehrt. Bei der Vorwahl des bürgerlichen Lagers am 20. November hatten rund vier Millionen Französinnen und Franzosen von diesem Recht Gebrauch gemacht - überdurchschnittlich viele.


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