Uta Ruge: "Erstaunlich, dass es immernoch um billig billig geht"

"Erstaunlich, dass es immernoch um billig billig geht"

Uta Ruge spricht über Städter, Bauern und das Land

Jochen Marmit; Onlinefassung: Laszlo Mura   18.11.2020 | 13:20 Uhr

Zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns haben leere Regale und Tiefkühltruhen in den deutschen Supermärkten für ungewohnte Bilder gesorgt. Die Angst machte sich breit, das Essen könnte knapp werden. Im Rahmen der ARD-Themenwoche blicken wir auf das Thema Nahrung, Bauern und Landwirtschaft. Dazu hat SR-Moderator Jochen Marmit mit der Schriftstellerin Uta Ruge gesprochen, die in ihrem Buch "Bauern, Land - Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang" vom Landleben schreibt.

Uta Ruge wuchs als Bauerntochter in einem kleinen Dorf in Norddeutschland auf. Als Autorin und freie Journlistin lebte sie später u. a. für 13 Jahre in London. Heute lebt die Wahlstädterin in Berlin und in ihrem neuen Buch "Bauern, Land" wirft sie einen Blick auf das Landleben aus ihren verschiedenen Perspektiven.

Die Wahrnehmung des Landlebens

Während des Lockdowns und den Ausgangbeschränkungen im Frühjahr war jeder froh über ein Stück Garten oder zumindest einen Balkon. Der Trend zeigt aber schon seit Jahren, dass die Deutschen wieder vermehrt aufs Land ziehen. Uta Ruge denkt aber nicht, dass hier Sehnsuchts-Gründe dahinterstecken, vielmehr sei die Entwicklung des Wohnungsmarktes verantwortlich: "Wer aus Berlin rauszieht, kann sich hier die Mieten nicht mehr leisten."

Uta Ruge: "Bauern, Land" (Foto: Kunstmann)

Im Zuge dessen stelle sich die Frage, ob diese Menschen überhaupt auf dem Land bleiben wollten, wenn sie einmal da seien, so Ruge. Der Blick aufs Land sei nämlich schon seit den Römern verfälscht, bzw. das Landleben werde anders dargestellt, als es eigentlich sei. Das habe damit zu tun, dass die Leute, die schon vor Jahrhunderten übers Land schrieben, bzw. überhaupt schreiben konnten, nicht auf dem Land gearbeitet hätten. "Die hatten ein kleines Gütchen auf dem Lande und in der Stadt waren sie Senatoren, Politiker oder Schriftsteller." Aufs Land seien sie nur gefahren, "um Gedichte zu schreiben und in die Landschaft zu gucken." Mit dem Leben eines Bauern habe das aber überhaupt nichts zu tun. Das müsse jedem bewusst sein.

Nahrung und Qualität

Als Bauerntochter hat Uta Ruge erlebt, wieviel Arbeit hinter einem Leib Brot steckt und welchen Weg ein Stück Fleisch hinter sich hat, bis es fertig auf dem Tisch steht. Deswegen wundert sie sich über das Konsumverhalten vieler Deutscher. Man müsse sich doch fragen, durch wieviele Hände oder Länder ein Stück Wurst schon gegangen sei. Und trotzdem legten Menschen, die genügend Geld besäßen, keinen Wert auf qualitiativ hochwertige Lebensmittel. "Ich find es ziemlich erstaunlich, dass es da immernoch um billig billig geht."


Das Buch

Uta Ruge: "Bauern, Land - Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang"
ISBN: 978-3956143878
Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
28 Euro

ARD-Themenwoche

#wie leben - Bleibt alles anders
Rückblick auf die ARD-Themenwoche 2020
Die ARD-Themenwoche 2020 hat sich vom 15. bis 21. November der Frage gewidmet, wie unser Leben in Zukunft aussehen könnte. Auch SR 2 KulturRadio hat unterschiedliche Facetten des weiten Themenfeldes beleuchtet.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 17.11.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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