Thomas Raisig (r.) und Stanislaw Skrowaczewski (Foto: Karin Murphy)

Erinnerungen an SR-Tonmeister Thomas Raisig

Gabi Szarvas. Onlinefassung: Rick Reitler   14.01.2022 | 21:00 Uhr

Der langjährige SR-Tonmeister Thomas Raisig ist am 2. Januar im Alter von 70 Jahren gestorben. Ein kleiner Nachruf von SR-Musikredakteurin Gabi Szarvas. Im Anschluss: ein Auszug aus einem Interview, das Raisig zu seinem Ruhestandsantritt im April 2017 gegeben hatte.

Von 1995 bis 2017 hat er als Tonmeister der Deutschen Radio Philharmonie und vormals des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken das Radio-Klangbild mitgeprägt, dabei auch viele Kammermusikaufnahmen, Festivals und Galakonzerte verantwortet. Über 6254 Treffer zeugen davon in unserer Hörfunkdatenbank. Darunter die Zusammenarbeit mit mehreren Chefdirigenten, von Michael Stern über Günther Herbig und Christoph Poppen bis Karel Mark Chichon, jede Menge Solisten wie Elina Garanca über Andreas Scholl, Mischa Maisky, Hélène Grimaud, Vadim Repin, Julia Fischer, Siegfried Köhler, Igor Oistrach, Frank Peter Zimmermann, Antonio Meneses, Matthias Goerne, Johannes Moser und Janine Jansen oder das Alte Musik Ensemble Concerto Köln. Und auch regional war er viel unterwegs, beim Madrigalchor Klaus Fischbach, dem Homburger Sinfonieorchester, dem Kammerchor Saarbrücken oder bei Orchester– und Chorwettbewerben.

SR Tonmeister Thomas Raisig (Foto: Deutsche Radio Philharmonie)
SR-Tonmeister Thomas Raisig (Deutsche Radio Philharmonie)

Was seine Amtszeit als Tonmeister zwischen Mikrofon, Regie und Schnittplatz am meisten geprägt hat, war die Arbeit mit dem 1. Gast- und Ehrendirigenten Stanislaw Skrowaczewski, der Thomas Raisig ebenso geschätzt und darauf bestanden hatte, dass nur er aufnehmen darf, wenn "Skrowa" da war. Auch bei allen Gastspielen im Ausland, vor allem in Japan.

Neben den Gesamtaufnhamen der Bruckner-, Beethoven und Schumann-Sinfonien hat Thomas Raisig auch die Brahms-Sinfonien als Tonmeister verantwortet.

SR-Musikredakteurin Gabi Szarvas:

"Man wusste immer sofort, ob er im Haus war, in den SR-Fluren neben dem Großen Sendesaal oder auch bei SR 2 KulturRadio. Sein prägnantes, herb-süßes After Shave war fast schon so was wie sein Markenzeichen. Dunkle Hosen, meist Wollpullis, so habe ich ihn in Erinnerung, leicht wuschelige Haare. Meist mit einem Kaffeebecher aus der Kantine in der Hand.

Erinnerungen an SR-Tonmeister Thomas Raisig
Audio [SR 2, Gabi Szarvas, Thomas Raisig, 14.01.2022, Länge: 09:52 Min.]
Erinnerungen an SR-Tonmeister Thomas Raisig

Für eine Fachsimpelei, fast egal zu welchem Thema der klassischen Musik, war er immer zu haben. Ob in den Probenpausen oder auch mal beim Schneiden kam er immer mal auf einen Plausch in die Redaktion. Auch, um über Inhalte zu diskutieren.

Thomas Raisig war ein Verfechter der ganz ursprünglichen Aufgabe von Rundfunk-Orchestern – nämlich unbekanntes oder entlegenes Repertoire aufzunehmen oder live zu spielen und nicht immer wieder das allseits Bekannte. Auch sprachliche Kapriolen hatte er auf dem Kieker - so beredt er selbst war, so hoch waren die Ansprüche auch an uns.

Seine große Leidenschaft neben der Tonmeisterei: das Collegium Instrumentale Saarbrücken. Über Jahrzehnte managte er das Orchester mit, vermittelte Solisten, kuratierte Programme, moderierte kenntnisreich, machte Konzertorte klar und köderte letztendlich auch SR-Moderatorin Gabi Szarvas, als Cellistin mitzuspielen. Einige Konzerte brachten wir noch zusammen über die Bühne. Seine charmanten, oft auch humorvollen Kommentare von hinten werden mir fehlen."


Seinen Abschied vom SR im April 2017 nach 22 Jahren beim SR hatten wir unter anderem mit einem ausführlicheren Gespräch gewürdigt. Darin erzählte er unter anderem von seiner Zeit vor dem SR, in seiner Heimatstadt Frankfurt an der Alten Oper, von den ästhetischen Prinzipien des Tonmeisterberufs, seiner besonderen Beziehung zu Stanislaw Skrowaczewski und wie es ihn überhaupt zu seinem Beruf verschlagen hat.


Ein Thema in der Sendung "Soirée" am 14.01.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Thomas Raisig (r.) und den Dirigenten Stanislaw Skrowaczewski (Foto: Karin Murphy)

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