Prostitution: Erste Erfolge im Kampf für das "Nordische Modell"

Erste Erfolge im Kampf für das "Nordische Modell"

Ein Gespräch mit Simone Kleinert vom "Bündnis Nordisches Modell" zum Tag gegen Prostitution am 5. Oktober 2021

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   05.10.2021 | 08:45 Uhr

Nach Einschätzung von Simone Kleinert vom "Bündnis Nordisches Modell" hat die Debatte um ein generelles Prostitutionsverbot in Deutschland Schwung aufgenommen. Immerhin sei die "Freierstrafbarkeit" gerade verschärft worden, und die Bundesfrauenunion der CDU habe sich zum "nordischen Modell" bekannt. Ein Interview.

Wegen der strengen Kontakt- und Hygieneauflagen waren die Bordelle in Deutschland lange geschlossen - nun rollt das Geschäft mit der käuflichen Liebe langsam wieder an. Hätte die Corona-Krise nicht genutzt werden können, um Prostitution strikt komplett zu verbieten? Simone Kleinert vom "Bündnis Nordisches Modell" kämpft seit Jahren genau dafür.

"Freierstrafbarkeit" verschärft

"Die Debatte nimmt Schwung auf", sagte Kleinert anlässlich des Internationalen Tags gegen Prostitution im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Immerhin sei im Sommer bereits die "Freierstrafbarkeit" nach § 232 a, Absatz 6 StGB verschärft worden, und die Bundesfrauenunion der CDU habe sich ebenfalls im Sommer zum "nordischen Modell" bekannt.

Drei Viertel in der Illegalität

In Deutschland seien aufgrund der neuen Gesetzlage inzwischen etwa drei Viertel der geschätzt bis zu 200.000 prostituierten Menschen in der Illegalität gelandet - trotzdem sei wohl noch kein "Freier" verurteilt worden, bedauerte Kleinert.


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Der andere Blickwinkel:

Thema Prostitution
Deutscher Frauenrat gegen "Nordisches Modell"
Sollte Prostitution generell verboten werden? Susanne Kahl-Passoth vom Deutschen Frauenrat ist dagegen. Sie plädierte im SR-Interview stattdessen für "viel mehr Aufklärung und Beratung", um Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter gar nicht erst in eine Ausbeutungssituation abrutschen zu lassen.


Der SR 2-ProgrammTipp:

ARD radiofeature
Licht aus im Bordell
Seit 20 Jahren ist Prostitution in Deutschland nicht mehr sittenwidrig, sondern ein legitimes Gewerbe. Bordelle verdienen gut daran, den Preis zahlen die Prostituierten. Macht die Corona-Zwangspause nun einen grundlegenden Wechsel möglich? Das Thema im ARD radiofeature vom 29. Mai.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 05.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein rot leuchtendes "Open"-Schild an einem Bordell (Archivfoto: SR Fernsehen).

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