Spielkarten (Foto: SR)

"Es beginnt mit dem Pech des anfangs Gewinnens"

Ein Gespräch mit dem Psychologen Prof. Dr. Holger Feindel, Median-Kliniken, zum bundesweiten Aktionstag zur Glücksspielsucht am 29. September 2021

Roland Kunz. Onlinefassung: Rick Reitler   29.09.2021 | 15:10 Uhr

Der Psychotherapeut Prof. Holger Feindel hat anlässlich des Aktionstags zur Glücksspielsucht am 29. September die Mechanismen erläutert, die normalerweise bei einer "Suchtkarriere" als Glücksspieler ablaufen. Gefährdet seien vorwiegend Männer - besonders jene mit Migrationshintergrund. Ein Interview.

In Deutschland werden ca. 240.000 Menschen als "problematisch unter Glücksspielsucht" stehend eingeordnet. Um auf das große Suchtpotenzial hinzuweisen und koordiniert Hilfe anzubieten, haben sich alle 16 Bundesländer darauf geeinigt, jedes Jahr einen Aktionstag zu organisieren.

Auf der Suche nach dem Kick

Im Interview: Prof. Holger Feindel
Audio [SR 2, Roland Kunz / Prof. Holger Feindel, 29.09.2021, Länge: 04:49 Min.]
Im Interview: Prof. Holger Feindel

Prof. Holger Feindel, Psychotherapeut bei den Median-Kliniken Münchwies, erläuterte im Gespräch mit SR-Moderator Roland Kunz die Mechanismen, die gewöhnlich für eine Suchtkarriere ausschlaggeben sind. So beginne der Abstieg in der Regel damit, dass die Betroffenen "das Pech des anfangs Gewinnens" gehabt hätten. Dies motiviere, immer weiter zu spielen. Einmal im Hamsterrad gelandet, spiele aber irgendwann das Streben nach Geldgewinnen gar keine Rolle mehr: Was eingestrichen werden könne, werde sofort erneut für den "Kick" ausgegeben.

Vorwiegend Männer betroffen

Häufig seien jene Personen anfällig, die beim Glücksspiel ihre übrigen Probleme zu vergessen suchten, so Feindel. Das Phänomen sei grundsätzlich bei allen Alters- und Bevölkerungsschichten anzutreffen - vorwiegend aber handele es sich bei seinen Patienten um Männer, von denen überdurchschnittliche viele einen Migrationshintergrund hätten. Viele Betroffene verstünden es oft jahrelang, ihre Sucht zu verbergen.

Lockdown als Segen

Als im Corona-Lockdown die Spielhallen geschlossen waren, hätten das viele Glücksspieler als Erleichterung empfunden: "In dieser Zeit ging's ihnen deutlich besser", sagte Feindel.


Kostenlose und anonyme Beratung

Betroffene und Angehörige können sich hier kostenlos und anonym per Telefon oder auch online beraten lassen:

Landesfachstelle Glückspielsucht Saarland
Telefon: 06 81 30 90 6-90
E-Mail: info@gluecksspielsucht-saar.de.
www.gluecksspielsucht-saar.de


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Nachmittag" am 29.09.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Spielkarten.

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