Deutscher Frauenrat gegen Prostitutionsverbot

Deutscher Frauenrat gegen "Nordisches Modell"

Ein Gespräch mit Susanne Kahl-Passoth vom Deutschen Frauenrat in Berlin zum Thema Prostitution

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   27.05.2021 | 07:25 Uhr

Sollte Prostitution generell verboten werden? Susanne Kahl-Passoth vom Deutschen Frauenrat ist dagegen. Sie plädierte im SR-Interview stattdessen für "viel mehr Aufklärung und Beratung", um Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter gar nicht erst in eine Ausbeutungssituation abrutschen zu lassen.

Schweden sieht sich seit 1999 als Vorreiter in der Prostitutionsbekämpfung: Beim "Sexkauf" werden die Kunden bestraft, die Sexarbeiterinnen bleiben straffrei. Ist dieses "Nordische Modell" der Weg, den auch das bislang eher liberale Deutschland einschlagen sollte?

"Prostitution nicht kriminalisieren"

Susanne Kahl-Passoth vom Deutschen Frauenrat in Berlin rät dringend davon ab: Das Thema Prostitution sei stets differenziert zu betrachten. Denn einerseits gebe es im Rotlichtmilieu durchaus Zwang, Menschenhandel und Gewalt, gegen die selbstverständlich vorzugehen sei - andererseits aber dürfe Prostitution allgemein "nicht kriminalisiert werden".

"Mehr Aufklärung und Beratung"

Kahl-Passoth plädierte im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger stattdessen für "viel mehr Aufklärung und Beratung", um Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter gar nicht erst in eine Ausbeutungssituation gelangen zu lassen. Damit "flächendeckendere Angebote für soziale und gesundheitliche Beratung" entstehen könnten, müsse man der Politik "mehr Druck machen", forderte Kahl-Passoth.


Der andere Blickwinkel:

Bündnis Nordisches Modell
"Sexkauf" verbieten!
Sollte Prostitution generell verboten werden? Simone Kleinert vom "Bündnis Nordisches Modell" kämpft dafür. Sie ist überzeugt davon, dass keine Frau freiwillig der Prostitution nachgeht. Ein Interview.


Der SR 2-ProgrammTipp:

Samstag, 29. Mai 2021, 17.04 Uhr: ARD radiofeature
Licht aus im Bordell
Seit 20 Jahren ist Prostitution in Deutschland nicht mehr sittenwidrig, sondern ein legitimes Gewerbe. Bordelle verdienen gut daran, den Preis zahlen die Prostituierten. Macht die Corona-Zwangspause nun einen grundlegenden Wechsel möglich? Das Thema im ARD radiofeature am 29. Mai.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 27.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt zwei Prostituierte auf dem Straßenstrich (Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler).

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