Droht "das Ende des Fußballs, wie wir ihn kennen"?

Droht "das Ende des Fußballs, wie wir ihn kennen"?

Ein Gespräch mit Tim Jürgens, dem stellvertretenden Chefredakteur des Fußball-Fachmagazins "11 Freunde", über Pläne bestimmer Spitzenclubs für eine neue europäische Super-Liga

Peter Weitzmann. Onlinefassung: Rick Reitler   19.04.2021 | 12:45 Uhr

Sollten die zwölf europäischen Spitzenclubs ihre Drohung wahr machen und der Champions League zu Gunsten einer eigenen "Super-Liga" den Rücken kehren, bliebe den Fans nicht viel mehr, als "mit den Füßen abzustimmen", meint 11-Freunde-Redakteur Tim Jürgens. Ein Interview.

Der Europäische Fußballverband UEFA berät am 19. April über eine Reform der Champions League, um deren Teilnehmerzahl zu erhöhen und die sportliche und wirtschaftliche Attraktivität zu steigern.

Kampfansage oder Nebelkerze?

Am Tag vor der Konferenz aber flatterte den obersten Wächtern des europäischen Spitzenfußballs so etwas wie eine "Kriegserklärung" auf den Tisch: Zwölf Spitzenclubs, darunter die beiden Manchester-Clubs, Liverpool, die Mailänder Vereine, Barcelona und Real Madrid, wollen demnach lieber unter eigener Regie eine neue Super-Liga mit 20 Clubs gründen, zu deren Qualifikation es weniger auf die sportliche als auf die finanzielle Potenz ankäme.

Tim Jürgens, der stellvertretende Chefredakteur des Magazins "11 Freunde", geht davon aus, dass diese zwölf Spitzenclubs lediglich den Druck auf die UEFA erhöhen wollen, um deren Reformpläne zu beeinflussen. "Sollte es nicht so sein und diese zwölf Clubs sich einig sein und das jetzt auch durchziehen wollen, dann ist es eine komplette Loslösung des Spitzenfußballs vom Restfußball und das Ende des Volkssports Fußball, so wie wir ihn gekannt haben", sagte Jürgens im Gespräch mit SR-Moderator Peter Weitzmann.

Der Ruf des Geldes

Dass irgendwann auch deutsche Spitzenvereine wie Bayern München, RB Leipzig oder Borussia Dortmund wegen der größeren Verdienstmöglichkeiten ihre angestammten Ligen in Richtung einer eigenen, UEFA-unabhängigen "Super-Liga" verlassen würden, ist für Jürgens allerdings nur eine Frage der Zeit, weil diese Vereine schon aufgrund ihres Selbstverständnisses als mittelständische Wirtschaftsunternehmen der Aussicht auf noch mehr Geld wohl kaum widerstehen würden. Das ganze Super-Liga-Modell werde von der amerikanischen Bank J.P. Morgan mit 3,5 Millarden Euro finanziert, die schon bei der Finanzkrise 2008/09 auffällig gewesen sei.

Mit den Füßen abstimmen

Die Fans aber müssten sich seiner Meinung nach nicht kampflos ergeben: "Wir können ja sagen: Nein, wir kaufen keine Sky-Pakete mehr, wir kaufen keine DAZN usw. usf. mehr, sondern wir gucken Dritte Liga und gehen am Wochenende zu unserem Heimatverein", so Jürgens' Vorschlag. "Das können wir entscheiden als diejenigen, die auf den Fußball gucken, die am Wochenende ins Stadion gehen, wenn's dann wieder möglich ist".


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Audio [SR 3, (c) SR 3, 20.04.2021, Länge: 03:11 Min.]
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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 19.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einen älteren Champions-League-Fußball (Archivfoto: Pixabay/robci95).

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