Erinnerungen an Fukushima

Erinnerungen an Fukushima

Ein Interview mit Prof. Jiré Gözen, die 2011 in Japan arbeitete

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   11.03.2021 | 08:45 Uhr

Jiré Gözen, Professorin für Medien- und Kulturtheorie, hatte die Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011 im 53. Stock des Mori-Towers von Tokio erlebt und war einige Monate später selbst in die Kriesenregion gereist. Im SR-Interview berichtet die Atomkraftgegnerin von ihren Erlebnissen in Japan.

Zehn Jahre Fukushima
Audio [SR 3, (c) SR3, 11.03.2021, Länge: 05:48 Min.]
Zehn Jahre Fukushima
Vor zehn Jahren kamen aus Japan immer neue Schreckens-Meldungen. Ein Tsunami kostete nicht nur rund 20.000 Menschen das Leben, sondern verursachte zudem eine Kernschmelze in einem AKW. Und heute?

Die Bilder vom Erdbeben, dem folgenden Tsunami im pazifischen Ozean und der Zerstörung des japanischen Atomkraftwerks von Fukushima gingen am 11. März 2011 um die Welt. In Japan live dabei war damals die Kuratorin Jiré Gözen: Die heutige Professorin für Medien- und Kulturtheorie hatte die Katastrophe im 53. Stock des Mori-Towers von Tokio erlebt und kurz nach dem Schock einfach weitergearbeitet - wie die meisten Menschen in Japan. "Weil wir nicht wussten, was wir sonst machen sollten", sagte sie im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Japan unvorbereitet

Erst im Oktober 2011 sei sie ins Sperrgebiet gefahren, um sich mit eigenen Augen ein Bild von der Lage zu machen - und habe "relativ erschüttert" erkannt, dass die japanische Regierung eine Katastrophe dieser Art "wohl nicht auf dem Schirm" gehabt hätte.

Schon lange Atomkraftgegnerin

Trotzdem seien die Tepco-Manger, die Betreiber des AKWs, zunächst freigesprochen worden. Es habe neun Jahre gedauert, bis Schadenersatzforderungen vor Gericht Gehör gefunden hätten. Sie selbst halte Energiegewinnung per Atomkraft schon seit dem Vorfall von Tschernobyl "für ethisch nicht vertretbar".


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Audio [SR 2, Dagmar Scholle, 10.03.2021, Länge: 03:24 Min.]
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Vor genau zehn Jahren, am 11. März 2011, wurde der Grundstein gelegt für Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie: Das Reaktorunglück von Fukushima ließ die Regierung Merkel umdenken. Ein Super-GAU, ähnlich wie Tschernobyl rund 25 Jahre zuvor. Aber was heißt das eigentlich, GAU und Super-GAU? SR-Wissenschaftsreporterin Dagmar Scholle hat recherchiert.


Der SR 2-ProgrammTipp:

Samstag, 13. März 2021, 17.30 bis 18.00 Uhr
Die Reportage: Fukushima zehn Jahre danach
Seit 2011 wurden in Japan Städte wieder aufgebaut, Schutzmauern errichtet, die Arbeiten in dem havarierten Kernkraftwerk von Fukushima fortgesetzt. Das Thema in Kathrin Erdmanns langer Reportage am Samstag Nachmittag.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 11.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Häuser, die durch die Tsunami-Fluten nach dem Tohoku-Erdbeben in der Präfektur Fukushima zerstört wurden (Archivfoto: picture alliance/dpa/epa).

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