"Der Wald ist anpassungsfähiger geworden"

"Der Wald ist anpassungsfähiger geworden"

Ein Gespräch mit Prof. Michael Müller, Experte für Waldschutz an der TU Dresden

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   24.02.2021 | 08:45 Uhr

Am 24. Februar stellt Landwirtschaftsministerin Klöckner den aktuellen Waldzustandsbericht vor. SR-Moderatorin Sonja Marx hat schon kurz vorher mit Prof. Michael Müller, Experte für Waldschutz an der TU Dresden, über die aktuell dringlichsten Probleme gesprochen.

Schadstoffeinträge, Waldbrände, Erholungs-. und Schutzerfordernisse des Menschen, aber auch Schalenwild und Insektenbefall - all diese Probleme machen nach Einschätzung von Prof. Michael Müller, Experte für Waldschutz an der TU Dresden, den Bäumen in Deutschland derzeit besonders zu schaffen.

Fehler vor Jahrzehnten gemacht

Wälder veränderten sich im Prinzip "von Natur aus" - allerdings kaum in der Geschwindigkeit wie aktuell, so Müller im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. "Das, was wir heute erleben, haben wir wahrscheinlich vor 20, 30 und 40 Jahren verursacht", meint Müller.

Wald-Umbauprogramme helfen

Da der Mensch "das Ruder nicht so schnell herumlegen" könne, hoffe er auf die "Anpassung und vor allem auf Anpassungsfähigkeit der Wälder auf unbekannte Situationen". Mischwälder und Vielfalt seien in diesem Sinn besser geeignet, um Systeme zu stabilisieren. Dank entsprechender Wald-Umbauprogramme in der deutschen Forstwirtschaft, die spätestens seit den 1990er Jahren existierten und bereits "zu einem Drittel vollzogen" seien, sei der Wald anpassungsfähiger geworden.

Totale Schadensfreiheit unmöglich

Eine "vollständige Harmonie oder Schadensfreiheit, wie man sich das manchmal so vorstellt, kann es eigentlich gar nicht geben", stellte Müller klar. Und wie das Klima sich weiter entwickeln werde, wisse man nicht: "Wir haben nur Szenarien".

Hintergrund

Seit 1983 fragen Bund und Länder Jahr für Jahr: Wie geht's unseren Bäumen? Expertinnen und Experten bewerten im Rahmen des "Waldzustandsberichts" dafür stichprobenartig den Zustand von ca. 10.000 Baumkronen. Am 24. Februar stellt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den aktuellen Bericht vor.


Bundesweit zweithöchster Wert
Fast ein Prozent des Saarlandes ist Wildnis
Das Saarland hat im bundesweiten Vergleich den zweitgrößten Flächenanteil an unberührtem Wald. Fast ein Prozent der saarländischen Gesamtfläche sind laut Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland und des ZDF-Magazins "Frontal 21" Wildnisgebiete.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 24.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt bemooste Bäume (Archivfoto: Beate Heitz).

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