Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung entwickelt

Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung entwickelt

Ein Beitrag von Klaus Deuse

  15.02.2021 | 13:40 Uhr

Alzheimer ist eine besondere Form der Demenz. Ein Forscherteam der Ruhr-Universität Bochum könnte einen Meilenstein zur Bekämpfung erreicht haben: Ein Bluttest könnte Klarheit über die Erkrankungswahrscheinlichkeit bringen - und zwar Jahre, bevor Symptome auftauchen. Damit wäre viel Zeit zur Präventionstherapie gewonnen.

Rund 1,6 Millionen Bundesbürger leiden an Alzheimer; rund 300.000 kommen jedes Jahr dazu. Eine heimtückische Krankheit, die schleichend Nervenzellen im Gehirn befällt. Die Betroffenen verlieren Zug um Zug ihr Gedächtnis, büßen ihre Selbständigkeit ein und werden hilflos. Bis zum Jahr 2050, so schätzen Experten, könnte die Zahl der Alzheimer-Erkrankten in Deutschland auf 2,8 Millionen ansteigen.

Früherkennung per Bluttest

Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum um den Biphysiker Prof. Dr. Klaus Gerwert hat nun einen Weg gefunden, die Krankheit schon sehr früh zu erkennen, bevor klinische Symptome vorliegen. Und zwar mit Hilfe eines Bluttests, einem sogenannten "prognostischen Biomarker". "Unser Marker zeigt sehr viel früher als die bisherigen konventionellen Marker, die eingesetzt werden, die Alzheimer-Erkrankung an", erklärte Prof. Gerwert im Gespräch mit Klaus Deuse. In etwa drei Jahren könnten auch die für den Test erforderlichen Geräte marktreif sein. Dann könnte der Gerwetsche Bluttest ähnlich wie andere Vorsorgeuntersuchungen auch für Ü60-Patienten eingesetzt werden.

Rechtzeitig Therapie einleiten

Auf der Grundlage des neuen Bluttests, der die so genannten Beta-Amyloidproteine schon "in einem Frühstadium der Verklumpung" erkennt, könnten dann schnell und gezielt Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Da der Test so empfindlich sei, dass er eine Alzheimer-Erkrankung bereits bis zu 14 Jahre vor dem Auftauchen klinischer Symptome vorhersagen könne, könnte man rechtzeitig mit einer Therapie beginnen, sodass tatsächliche Beeinträchtigungen deutlich reduziert oder gar vermieden werden können.

Auch Medikament-Entwicklung auf gutem Weg

"Ich bin davon überzeugt, dass wir in spätestens zwei Jahren wirksame Alzheimer-Medikamente haben", prognostizierte Prof. Gerwert. Das Medikament "Aducanumab" könnte noch in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika zugelassen werden.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 15.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine an Alzheimer erkrankte Seniorin mit ihrer Betreuerin (Archivfoto: SR Fernsehen).

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