Susanne Kippenbergers "Die Kunst der Großzügigkeit"

Susanne Kippenberger: "Es geht um etwas sehr Emotionales und Persönliches"

Beim Thema Schenken gehen die Meinungen weit auseinander

Jochen Marmit; Onlinefassung: Laszlo Mura   23.12.2020 | 10:14 Uhr

Weihnachten ist auch die Zeit der vielen Geschenke. Und Schenken kann wunderschön sein, es kann aber auch zum Zwang werden und vor allem: zum beliebten Diskussionsthema in der Vorweihnachtszeit. Die Journalistin Susanne Kippenberger hat gleich ein ganzes Buch dazu geschrieben - mit dem Titel "Die Kunst der Großzügigkeit - Geschichten einer leidenschaftlichen Schenkerin". SR-Moderator Jochen Marmit hat mit ihr darüber gesprochen.

Als Kind, das in eine "Familie mit sehr fröhlichen und passionierten Schenkern" geboren wurde, war Susanne Kippenberger sofort mit dem Schenker-Fieber infiziert, erzählt sie. In ihrem Buch gibt sie aber keine Anleitung, wie man richtig schenkt, sondern behandelt das Thema kultur-historisch. Denn auch in der Forschung gehen die Meinungen dazu weit auseinander.

Ein polarisierendes Thema - schon immer

Der französische Sozialwissenschafter Marcel Mauss z.B. sah im Austausch von Geschenken ein wichtiges Instrument zum Pflegen von zwischenmenschlichen Bindungen und Beziehungen. Auf der anderen Seite steht bspw. der französische Soziologe Pierre Bourdieu, der beim Schenken von einer "kollektiven Heuchlerei" gesprochen hat.

Kippenberger ist der Meinung, Schenken sei etwas sehr Wichtiges. Es sei verblüffend, wie einfallsreich z.B. in Liebesbeziehungen geschenkt werde. Durchs Schenken machten sich Menschen Gedanken über Partner, Familie und Freunde. Das könne natürlich auch schief gehen, indem man der eher unsportlichen Ehefrau ein Rennrad unter den Baum stelle! "Es geht um etwas sehr Emotionales und Persönliches", meint Kippenberger.

Eine alte Tradition

Beschenkt haben sollen sich Menschen schon immer. Den Beginn der Schenkkultur an Weihnachten und Geburtstagen verortet die Journalistin im 19. Jahrhundert. Das Einpacken stamme übrigends aus England. Als man dort begann, Geschenke nicht mehr selbst herzustellen, sondern einzukaufen, sollte das Geschenkpapier eine persönlichere Note geben. Außerdem diente es der Dekontamination. Jetzt - im Coronalockdown - sieht Kippenberger die Chance, dass die Menschen wieder mehr persönliche Geschenke machen könnten: "Das kann entweder Marmelade sein, etwas Gebackenes oder ein Fotokalender."


Das Buch auf einen Blick

 (Foto: Hanser Berlin)

Susanne Kippenberger
"Die Kunst der Großzügigkeit"
Verlag: Hanser Berlin
ISBN: 978-3446267916
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
24 Euro


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 21.12.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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