Im Mordfall "Daphne Caruana Galizia" weiterhin Unklarheiten

Tatverdächtiger "vor seiner Vorhaftung gewarnt"

Ein Gespräch mit dem Journalisten Andreas Spinrath über den Ermittlungsstand im Mordfall Daphne Caruana Galizia

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Laszlo Mura   16.10.2020 | 08:10 Uhr

Drei Jahre liegt der Mord an der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia zurück. Der Fall ließ die Weltöffentlichkeit aufhorchen. Trotz zahlreicher Rücktritte und Festnahmen bleibt vieles nach wie vor ungeklärt. SR-Moderator Jochen Erdmenger hat mit dem Journalisten Andreas Spinrath über den Stand der Ermittlungen gesprochen. Er arbeitet unter anderem für das Investigativressort des WDR.

Die Recherchen der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia haben weit über die Landesgrenzen hinaus gezeigt, wie sehr die Interessen von Politik und Geschäft im Inselstaat miteinander verschmolzen sind. Dafür musste Galizia mit ihrem Leben bezahlen. Es gibt Hinweise dafür, dass der Mord von weit oben in Auftrag gegeben wurde. Restlos aufgeklärt ist das Verbrechen aber noch lange nicht, Urteile sind noch keine gesprochen.

In Untersuchungshaft

Dringend tatverdächtig seien drei Männer, die bereits in Haft säßen, berichtet Andreas Spinrath im SR-Interview mit Jochen Erdmenger. Die Männer hätten "lange kriminelle Karrieren" vorzuweisen und seien schon vor fast drei Jahren in Gewahrsam genommen worden.

Klar sei aber, dass es Hintermänner gebe, die den Mord in Auftrag gegeben hätten, so Spinrath. Seit einem Jahr sitze nun auch der Unternehmer Yorgen Fenech in Untersuchungshaft, einer der reichsten Männer Maltas. Die Beweise gegen ihn seien "wirklich erdrückend", er bestreite dennoch alles, so Spinrath. Wann man mit Verurteilungen rechnen könne, sei noch unklar.

Eine kleine Insel, auf der jeder jeden kennt

Malta sei flächenmäßig nur knapp halb so groß wie die saarländische Landeshauptstadt Saarbrücken: Also eine Insel, auf der fast jeder jeden kennt. Das stehe auch sinnbildlich für die Beziehung des Multimillionärs Fenechs zur Politik. Auf vielen Bildern sei er abgelichtet mit Funktionären, erzählt Spinrath. Spannend sei, dass er "mit Interna aus den Ermittlungen auf dem Laufenden gehalten worden und vor seiner Vorhaftung gewarnt worden sein soll". Er sei nämlich bei dem Versuch, das Land zu verlassen, auf seinem Schiff verhaftet worden.

Die Familie von Galizia habe schon mehrfach die Frage gestellt, ob die Politik überhaupt wolle, dass die Tat wirklich aufgeklärt werde. Galizia habe viele Fragen gestellt, die vielen Politikern auf Malta unangenehm gewesen seien, erklärt Spinrath. Man habe "nicht so richtig das Gefühl, dass jede Frage beantwortet werden soll".

Schmiergeld an Politiker

Es soll eine mysteriöse Firma gegeben haben, von der niemand gewusst habe, wem sie gehörte. Diese Firma soll versucht haben, Schmiergelder an Politiker abzuwickeln, so Spinrath. "Und wir haben dann herausgefunden, dass der Besitzer der Firma eben genau der Mann ist, der jetzt im Knast sitzt als Auftraggeber, der jetzt angeklagt werden soll: Yorgen Fenech."

Ein Thema in "Der Morgen" am 16.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein Foto der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia am Fuße eines Denkmals vor dem Justizpalast (Foto: dpa).

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