Warum Modellstudien mit Vorsicht zu genießen sind

Warum Modellstudien mit Vorsicht zu genießen sind

Ein Besuch bei Prof. Verena Wolf, Spezialistin für Modellierung und Simulation an der Universität des Saarlandes

Patrick Wiermer. Onlinefassung: Rick Reitler   26.06.2020 | 15:20 Uhr

Wissenschaftliche Vorhersagen, die anhand von Modellsimulationen erfolgen, sind normalerweise längst nicht so treffsicher, wie man es sich wünschen würde. Das liege u. a. an der großen Komplexität der Realität und ihren vielen unbekannten Faktoren, meint die Saarbrücker Professorin Verena Wolf.

Wie groß ist eigentlich die Aussagekraft von Modellen, mit denen epidemiologische Vorhersagen wie etwa im Fall des Coronavirus gemacht werden? Dieser Frage ist auch Prof. Verena Wolf nachgegangen, Spezialistin für Modellierung und Simulation an der Universität des Saarlandes. Offenbar längst nicht so treffsicher, wie man es sich wünschen würde, wenn man Wolfs Expertise hört. Denn auch die in der aktuellen Krise genutzten Modelle seien "nicht robust", stellte Wolf im Gespräch mit SR-Reporter Patrick Wiermer klar.

"Extrem komplexe Realität"

Die Wissenschaft stoße bei einer "extrem komplexen Realität" nun einmal schnell an die Grenzen dessen, "was wir berechnen können", sagte Wolf. So kenne man beispielsweise noch nicht alle Eigenschaften des Virus und wisse auch nichts darüber, wie sich die Leute tatsächlich verhalten würden oder welcher Betroffene wie viele andere Menschen anstecken könnte. Wissenschaftler simulierten in ihren Modellen von daher immer "einen Durchschnittsmenschen".

Schätzungen als Grundlage

Zudem könne man schon allein durch die Auswahl, welche Ausgangsschätzung man als Parameter in eine Modellrechnung einfließen lasse, die Aussage von Modellen steuern. Was natürlich zu Lasten der Objektivität gehe. Wolf riet davon ab, bei einer Vorhersage "konkrete Zahlen" zu nennen: "Sie können im Prinzip nur Tendenzen beschreiben", betonte Wolf.

Trotzdem sinnvoll

Trotz all dieser Schwächen sei sie davon überzeugt, dass die bislang genutzten Simulationsmodelle dazu beigetragen hätten, die Gefahr einer Ausbreitung von Covid-19 besser zu verstehen - und zu erkennen, welche Maßnahmen am sinnvollsten seien. "Auf wen wollen Sie denn sonst hören, wenn nicht auf die Wissenschaft?"

Hintergrund

Der virtuelle "Tag der offenen Tür" an der Universität des Saarlandes

Samstag, 27. Juni 2020, zwischen 10.00 und 15.00 Uhr

Beim virtuellen Tag der offenen Tür wird die Universität des Saarlandes ihr Studienangebot und einige Forschungsthemen präsentieren. Die Studiengänge werden statt im Hörsaal in Video-Vorträgen erläutert. Studieninteressierte können in Live-Chats zwischen 10 und 15 Uhr den Professorinnen und Professoren Fragen stellen und sich detailliert über die Studienfächer informieren.

Auch die Zentrale Studienberatung und viele Fachrichtungen werden in Video-Chats und am Telefon eine persönliche Beratung anbieten. In Videos erfährt man mehr über Servicethemen rund ums Studium und wird auf virtuelle Weise über den Campus und durch Forschungslabore geführt.

Im Netz: www.uni-saarland.de/infotag


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 26.06.2020 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja