Die Gefahren des Home-Offices - und wie man sie minimiert

Die Gefahren des Home-Offices - und wie man sie minimiert

Ein Gespräch mit der Arbeitsforscherin Prof. Jutta Rump vom Ludwigshafener Institut für Beschäftigung und Employability

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   28.05.2020 | 06:15 Uhr

Wenn Unternehmen Mitarbeiter ins Home-Office schicken, kann das durchaus Kosten sparen. Doch auch die Nachteile dürfe man nicht ausblenden, meint die Arbeitsforscherin Prof. Jutta Rump. Im SR-Interview sprach sie über die wichtigsten Gegenmittel, die helfen können, die vielen Gefahren einer dauerhaften Auslagerung von Menschen zu verringern.

Für viele Berufstätige hat sich der Alltag drastisch verändert: Büro-Arbeitsplätze, die sich auslagern ließen, wurden nach einer aktuellen Studie deutschlandweit im Zuge der Corona-Krise schon zu 80 Prozent ins Home-Office ausgelagert. Damit arbeiten zurzeit rund 20 Prozent der Erwerbstätigen vom heimischen Schreibtisch aus.

Prognose: Mischform

Doch ist das wirklich das Arbeitsmodell der Zukunft? "Ich denke, wir werden in eine Mischform gehen", sagte die Arbeitsforscherin Prof. Jutta Rump vom Ludwigshafener Institut für Beschäftigung und Employability im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding voraus: Manches werde künftig wieder im Büro stattfinden, Teile der Arbeit aber würden sicherlich auch weiter von zu Hause aus erledigt werden.

Vor- und Nachteile abwägen

Über die Folgen der dauerhaften Auslagerung von Beschäftigten gebe es bereits umfangreiches Studienmaterial: Schon vor 25 Jahren hätten Unternehmen festgestellt, dass bei kompletter Auslagerung zwar viel Geld für Dinge wie Büroflächen oder Kantinen gespart werden könne - gelitten habe dabei allerdings das Betriebsklima, die Vernetzungsketten und generell die Arbeit im Team. "Das sind durchaus Nachteile, und die muss man in eine solche Kalkulation definitiv mit einpreisen", gab Rump zu bedenken.

Zielvereinbarungen statt Kontrolle

Zudem stießen manche "Typen von Menschen" mit der Freiheit im dauerhaften Home-Office "an ihre Grenzen", weil sie mit der Ablenkung, dem Hang zur Selbstausbeutung oder einer mangelhaften Struktur zu kämpfen hätten. "Das sind durchaus große Gefahrenquellen", sagte Rump. Von Überwachungstechnologien zur Kontrolle der externen Arbeitnehmer rate sie trotzdem ab. Viel wichtiger seien klare Zielvereinbarungen zwischen Vorgesetzten, dem Team, dem einzelnen "Homeworker" - und unbedingt auch seiner Familie.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.05.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Home-Office-Arbeitsplatz (Foto: Rick Reitler).

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