Corona und die Rückkehr zum alten Familienbild

Corona und die Rückkehr zum alten Familienbild

Ein Interview mit Prof. Bettina Kohlrausch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in Düsseldorf (WSI)

Jochen Erdmenger   15.05.2020 | 08:45 Uhr

Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung hat die Sozialwissenschaftlerin Prof. Bettina Kohlrausch die Lage der erwerbstätigen Eltern in Corona-Zeiten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Frauen trifft es besonders hart, weil Familien immer öfter in alte Rollenverteilungen zurückfallen. Ein Interview.

Prof. Bettina Kohlrausch, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung (Foto: Pressefoto)
Prof. Bettina Kohlrausch

"Der größte Kollateralschaden entsteht sicher durch die zusätzliche Sorgearbeit, die jetzt in Familien geleistet werden muss, die zusätzliche Kinderbetreuung", sagte Prof. Bettina Kohlrausch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in Düsseldorf (WSI) im SR-Interview. Dabei gehe es um "sehr, sehr, sehr viele Stunden, die Eltern einfach zusätzlich wuppen müssen". Die Hauptlast liege oft bei den Frauen, weil diese für die zusätzliche Belastung häufiger als die Männer ihre Arbeitszeit reduzierten - was dann zu einer Schwächung der Position der Frau auf dem Arbeitsmarkt führe. Man falle dabei zurück in alte Rollenmuster, so Kohlrausch.

Kinderbetreuung mehr als pure Anwesenheit

Die Sozialwissenschaftlerin meint, Home-Office und Familie zugleich sei eine "Vereinbarkeitslüge". Sowohl Home-Office als auch Kinderbetreuung sei Arbeit, und das könne "man eben nicht parallel machen. Kinderbetreuung ist mehr als nur die pure Anwesenheit".

Strukturproblem am Arbeitsmarkt

Für den Rückfall in die traditionellen Rollenbilder seien auch die alten Strukturen des Arbeitsmarktes mitverantwortlich, erklärte Kohlrausch, denn gerade Familien mit geringerem Einkommen könnten es sich nun nicht mehr leisten, auf das oft höhere Gehalt des Mannes zu verzichten.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.05.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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