"Wir können nicht 30 Millionen Menschen jetzt verhungern lassen"

"Wir können nicht 30 Millionen Menschen jetzt verhungern lassen"

Ein Interview mit Bettina Lüscher vom UN-Welternährungsprogramm WFP

Jochen Erdmenger   29.04.2020 | 07:25 Uhr

Die Corona-Pandemie könnte eine Hunger-Pandemie "biblischen Ausmaßes" zur Folge haben, warnt das UN-Welternährungsprogramms WFP. Im SR-Interview erklärt deren Chef-Sprecherin Bettina Lüscher, warum das Corona-Virus die Hungersnot in vielen Ländern auf der ganzen Welt noch verschärfe und warum Nicht-Helfen auch eine Gefahr für das Leben in Europa darstelle.

Die Zahl der unterernährten Menschen weltweit könnte sich durch die Corona-Krise verdoppeln, befürchten Experten der Vereinten Nationen. Das hänge damit zusammen, dass Hunger neben Krieg oder Klimawandel auch durch Wirtschaftskrisen ausgelöst werden könne. Und es sei nun "keine Frage mehr, dass wir in eine Rezension reinrutschen", meint Bettina Lüscher, Chef-Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms WFP im SR-Interview.

In der aktuellen Situation könne man viele von Hunger Betroffene nicht mehr erreichen, weil beispielsweise Flüge ausfielen, Grenzen geschlossen seien oder nicht mehr genug finanzielle Mittel für Hilfen zur Verfügung stünden.

Probleme werden noch verstärkt

Am schlimmsten betroffen sei der afrikanische Kontinent und der Nahe Osten - meist Länder, in denen bereits zuvor durch Kriege, Terrorismus oder mangelnde Infrastruktur Unterernährung ein Problem war. Diese Probleme würden durch das Virus jetzt noch verstärkt, so Lüscher.

Wichtig jetzt zu helfen

Nun sei Solidarität gefragt, denn "Wir können einfach nicht 30 Millionen Menschen jetzt verhungern lassen". Der finanzielle Aufwand, um zu helfen, sei "gar nicht so hoch", meint die UN-Expertin. Wichtig sei, jetzt zeitnah zu helfen, denn sonst werde "das Virus ganz schnell wieder auf uns zurückschwappen".


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 29.04.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein unterernährtes Kindes in einem Krankenhaus in Jemen (Archivfoto: dpa).

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