Kolumne: "Post its"

"Post its"

Eine Kolumne von Erik Heinrich   09.03.2020 | 08:50 Uhr

Mittlerweile gibt es sie sogar als App auf dem Smartphone: Post-its. Eine großartige Erfindung, die heute vor genau 50 Jahren als Patent angemeldet wurde. Das findet auch unser Kolumnist Erik Heinrich.

Das kann man sich ja heute kaum noch vorstellen, wie die Menschen einst lebten, ohne fließend Wasser, ohne Telefon – ohne Post-its. Diese auch Heftzettel, Klebezettel genannten Papierchen gibt es erst seit 50 Jahren.

Heute ist unser Zuhause ohne ein weitverzweigtes Netz von angepappten Gedächtnisstützen nicht denkbar: "Papiermülltonne, Geburtstag Annette, 17 Uhr Klausi, Krankenkasse anrufen, Klopapier, drei Ausrufezeichen!" Und wie schön ist es, nach einem harten Tag heimzukommen und die Liebste, die zum Elternabend musste, hat eine kleine Schnitzeljagd mit Post-its ausgelegt: in der Diele "warm", an der Küchentür "wärmer", am Herd "heiß!" und auf dem Kochtopf mit der guten Suppe "Sehr heiß, lass es Dir schmecken, Kuss!" Es soll Paare geben, bei denen eine innige Liebeskorrespondenz nur über Klebezettel läuft.

Als pädagogisches Mittel indes funzen die Hafties, zumindest bei uns daheim, nicht so gut. Auf einen Zettel mit der Aufschrift "Saustall", den ich an die Kinderzimmertür klebte, kam die Antwort post-it-wendend an der Tür zum elterlichen Schlafzimmer: "Spiesserhölle!" Spießer mit zwei s. *seufz*.

Auch zum Büroalltag gehören die Haftzettel wie der Klammeraffee und die Kaffeetasse mit Erbauungsspruch. Wie sonst sollte man sich das Passwort merken, stünde es nicht auf dem Zettel am Bildschirmrand? Wie sonst sollte man Frau Schröder aus der Buchhaltung zum Jubiläum gratulieren – da müsste man ja mit ihr sprechen! Wichtige Regel: Mindestens so viele Post-its wegwerfen wie neu beschriften! In einem Büro in Remscheid wurde ein jahrelang vermisster Kollege mumifiziert unter einer dicken Schicht von Haftpapierchen gefunden – verzettelt!

Meinem Klassenkameraden Knut Borkenstedt gelang es in der Siebten, Frau Zimpel insgesamt 11 Haftzettel mit respektlosen Ausdrücken auf den Rücken zu pappen. Großes Hallo im Lehrerzimmer! Wüsste gerne, was aus Knut geworden ist. Vielleicht einer dieser Künstler, die grandiose Mosaike aus Post-its machen. Oder Bürohengst in Remscheid. Muss ich mal recherchieren. Schreib ich mir gleich auf einen Klebezettel.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.03.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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