Gegen "Bequemlichkeit und übertriebenes Sicherheitsdenken"

Gegen "Bequemlichkeit und übertriebenes Sicherheitsdenken"

Ein Gespräch mit dem Polimerchemiker Prof. Dr. Gerhard Wenz ("Scientists for future") über Klima- und Umweltschutz 2019

Roland Kunz. Onlinefassung: Rick Reitler   30.12.2019 | 15:45 Uhr

Der Saarbrücker Polymerchemiker Prof. Dr. Gerhard Wenz sieht Bequemlichkeit, Ängstlichkeit und "übertriebenes Sicherheitsdenken" unter der Deutschen als wesentliche Gründe dafür, dass es in der Klimapolitik nicht so recht vorangeht. Jenseits der Grenze sei man da schon wesentlich weiter. Ein Interview.

Der Polymerchemiker Prof. Dr. Gerhard Wenz von der Universität des Saarlandes sieht Deutschlands Klimaschutzbemühungen am Ende des Jahres 2019 noch lange nicht auf einem guten Weg, sondern lediglich "vielleicht am Anfang eines Wendepunktes". Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter bei der Aktivistengruppe "Scientists for future" hätten - trotz der die Medien seit Monaten beherrschenden Debatte - noch nicht das Gefühl, "etwas erreicht" zu haben, sagte Wenz im Gespräch mit SR-Moderator Roland Kunz. "Es ist für uns eigentlich nur ein Anfang".

Vorbild Luxemburg

Dass es nicht so recht vorangehe, liege vor allem an der "Bequemlichkeit", der Ängstlichkeit und am "übertriebenen Sicherheitsdenken" der Menschen, so das Parteimitglied von Bündnis 90/Die Grünen. In anderen Ländern sei man da schon "viel weiter". So fange das Großherzogtum Luxemburg beispielsweise schon an, ein Null-Euro-Ticket für Busse und Bahnen einzuführen. "Da sind wir hier im Saarland weit davon entfernt", so Wenz.

"Gemütlich mit dem Fahrrad zur Arbeit"

"Die ganze Gesellschaft muss sich ein bisschen ändern", forderte Wenz. "Wir können nicht unser Verhalten einfach so weiter extrapolieren, wie wir's bisher hatten". "Die Augen geöffnet" für das Thema habe ihm der Besuch einer Webseite, auf der man seine eigenen CO2-Emissionen ausrechnen lassen könne. Der Durchschnitt in Deutschland liege bei zehn Tonnen CO2 pro Person und Jahr. "Ich hatte zwölf Tonnen, und da war ich drüber schockiert", räumte der Chemiker ein. Also habe er sein Auto der Tochter überlassen und fahre seitdem "gemütlich" mit dem Fahrrad zur Arbeit. "Letztendlich kann man sein Leben auch ändern, ohne dass man große Einbußen hat", so die Überzeugung Wenz'.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 30.12.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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