Der deutsche Wald als Ort der Muße

Der deutsche Wald als Ort der Muße

Ein Interview mit dem Kulturanthropologen Prof. Markus Tauschek

Audio: Roland Kunz. Onlinefassung: Rick Reitler   24.10.2019 | 16:25 Uhr

Auch wenn der Wald den meisten Deutschen seit rund 200 Jahren als DER Zufluchtsort überhaupt gelte, falle es vielen Menschen zunehmend schwer, überhaupt zur Ruhe zu finden, gab der Freiburger Kulturanthropologe Prof. Markus Tauschek im SR-Interview zu bedenken. SR-Moderator Roland Kunz wollte mehr über das Thema Muße - gestern und heute - wissen.

Der Kulturanthropologe Prof. Markus Tauschek  (Foto: Pressefoto)
Pressefoto: Der Kulturanthropologe Prof. Markus Tauschek


Der Wald gilt vielen Menschen noch immer als ein Ort des Rückzugs - an den Busen der Natur, zur Stille, zur inneren Einkehr. Besonders ausgeprägt ist die Liebe zu Bäumen, Lichtungen und Vogelgezwitscher in Deutschland - so zumindest das Klischee.

Sehnsuchtsort der Romantik

Hierzulande sei der Wald "ein großes kulturhistorisches Thema", meint der Freiburger Kulturanthropologe und Mußeforscher Prof. Markus Tauschek. So richtig losgegangen sei es mit der Wald-Sehnsucht aber erst im 19. Jahrhundert, als die allmählich ausufernden Städte Künstler wie beispielsweise Goethe inspirierten, "romantische" Zufluchtsorte zu entwerfen.

Muße erlernbar

Kaum 200 Jahre später falle es vielen Menschen in der Leistungsgesellschaft nun zunehmend schwer, überhaupt noch zur Muße zu finden, erläuterte Tauschek im Gespräch mit SR-Moderator Roland Kunz. Die dafür nötige "Haltung zu sich selbst" ließe sich zwar durchaus "lernen und praktizieren". "Ob das dann im Alltag gelingt, ist nochmal ne ganz andere Frage", so Tauschek.

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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 24.10.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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